Gedichte

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Das Licht in deiner Hand

Das Licht in deiner Hand,
trage es hinaus in die Welt,
in der Einsamkeit
und Verzweiflung Einzug hält,
Armut den Gipfel erreicht,
die Würde vor Mensch und Natur
sich dem Abgrund nähert.
Denn die Kraft und Wärme
zieht Kreise,
und endet nicht vor deiner Tür.
Das Licht in deiner Hand,
erhellt den Morgen, den Tag,
die Finsternis,
in denen das Wesentliche
einen Namen trägt:
Menschlichkeit.

© Edith Maria Bürger



Ein Wort des Friedens

Das hoffnungsvolle Wort des Friedens,
für alle Völker dieser Welt,
wird immer nur versprochen,
bis das Beil des Krieges fällt.
Und dieses Wort
vom Völkermord,
verfolgt uns täglich
immerfort.

Ein Wort des Friedens,
ausgesprochen,
ach, wär' es doch an manchem Ort,
nicht nur ein Wort,
dann wäre heut' vielleicht der Krieg
nur noch ein Wort.

© Edith Maria Bürger


Man darf sich diesem Weltgeschehen nicht verschließen
Kriegsschauplätze:

Schweigen greift uns an die Herzen,
das dunkle Schicksal sie entblößt,
mit ihnen empfinden wir die Schmerzen,
und hoffen, dass sie bald erlöst,

von diesen wundgeschürten Malen,
die gebrandmarkt sind in tiefster Seele,
doch niemand kennt reale Zahlen,
die Wahrheit stockt in stummer Kehle.

Die Zeit spielt Schicksalsmelodien,
in Dur und Moll, in dunklen Farben,
das Beten auf geschundenen Knien,
verätzt die Haut mit roten Narben.

Das Sterben liegt im blassen Morgen,
die Nächte sind von Trauerlast beschwert,
wer überlebt, muss sich die Hoffnung borgen,
in der er fühlt, dass er noch unversehrt.

Warum sind Friedensboten nur verbannt?
Sie leben doch im müden Flügelwehen,
sie haben ihre Zeichen nicht verkannt,
sie bleiben wach,
und dürfen niemals schlafen gehen.

© Edith Maria Bürger  











Irak

Der Himmel scheint aus Stein gemauert,
das Elend ist mit Ohnmacht übermalt,
aus allen Winkeln ein Verhängnis lauert,
das von Bombenblitzen überstrahlt.

Der Hass sich steigert ohnegleichen,
erblindet ist das Volk im Zorn,
verblendend sie kein Ziel erreichen,
es ist, als säten sie verfaultes Korn.

Denn die Wogen der Zerstörungswellen,
die lange Tage, Nächte überdauern,
und Leichen, die in schwarzer Gruft zerschellen,
lässt selbst die Stärksten tief erschauern.

Die Leiber, die im Todeskampf verkettet,
und der im letzten Schrei erstarrte Schlund,
sie glaubten sich von ihrem Gott errettet,
doch er, entfaltet nicht mal seinen Mund.

© Edith Maria Bürger

                                    




Spaziergang im Herbst

Glocken läuten in der Ferne,
wecken Erinnerung in mir,
Ja, wie wär ich doch so gerne,
an diesem Ort noch länger hier.
Ich atme tief, die Luft ist rein.
Es könnte niemals schöner sein.
Des Wipfels Bäume wiegen sich,
im leichten Windeshauch.
In Innersten verneig ich mich,
vor der Naturen Brauch.
Das Blatt, es fällt ganz leis und still,
auch tänzelt es im Takt,
und schwebt dorthin, wohin es will,
bedeckt die Erde neu,
die jetzt so kalt ist und so nackt.
Durch des Herbstes Wald ich schreite,
genieße, diese stille Weite.
Freudig nehmen meine Augen,
diese Fülle wahr,
oh, wie herrlich bunt, stellt die Natur sich dar.
Verschwenderisch die Farbenpracht,
der Herbst, er kommt mit aller Macht.
Im Sonnenlicht der Mittagszeit,
verkündet er, der Winter,
er ist nicht mehr weit.

© Edith Maria Bürger 1.11.1995



Rollenspiele

Totenmasken tragen sie nicht
aber sie prägen im Gegenüber
die Konversation
nichtssagend.
Noch kann ich ihnen dienen
mit einem Lächeln
ihnen die Verschalung abnehmen
der selbstgewählten Züge
in der Annahme
sie nehmen an.
Sich aus der Erstarrung lösend
gebe ich ihnen einen Teil von mir
und rolle mich ein
in meine letzte Rolle
ihnen zu dienen
mit einem Lächeln.

© Edith Maria Bürger



Spiel mit dem Wind

Wie süße Harfenklänge,
gespielt,
mit Engelhänden geschwind,
umfächelt er zärtlich,
mit Sphärengesängen,
die zartgrünen Halme-
der Sommerwind.

Die Wipfel der Lärchen,
tun`s ihnen gleich,
erfassen die Klänge,
und tanzen den Reigen,
ganz sanft und weich.

Ein Falter, er taumelt,
selig verzückt,
er scheint dieser Welt,
ganz weit entrückt.
Die Sommerwiese,
sie leuchtet in all ihren Farben,
und das kleine Getier
vergnügt sich, als wollt es sich laben.

Ich liege inmitten der herrlichen Pracht.
Er umspielt nun mein Haar,
behutsam und sacht.
Im Innersten schließ ich
mit ihm einen Pakt,
und mein Herz, es tanzt mit,
im dreiviertel Takt.
Grillen zirpen dazu im Chor,
auf dem Heimweg hab ich sie,
noch immer im Ohr.

Mein Herz es zerspringt
vor Freude und Glück.
Ich komme bald wieder zurück –
und spiel mit dem Wind.

© Edith Maria Bürger  



Kehrtwende

Mich trugen die Fährten der Jahre,
aus Wirrnis und Wehmut hinaus,
die Ziele der Wünsche, das Wahre,
brach aus dem Innern heraus,

trug mich über Höhen, die stetig belegt,
von traurigen, eisigen Klagen,
nun nehme ich Kenntnis und bin bewegt,
das Wahre in mir hat das Sagen,

und besteige die steinernen Stufen,
mit festen besohlten Füßen geschwind,
und fühle mich in mir berufen,
noch einmal zu sein wie ein Kind.

Lächelnd entwirr ich Verformtes,
übergebe den Ballast dem Wind,
überfliege gestanztes Genormtes,
und fühle mich frei wie ein Kind.

© Edith Maria Bürger



Wie lieblich dieses Lied nur klingt...

Wie hast du lieblich mich umfangen,
sodass es mir zum Herzen spricht,
das sacht erzittert vor Verlangen,
und letzte Zweifel klaglos bricht.
Hör, unsere Klänge hallen wider,
säuselnd, leicht in alle Winde,
beschwörend jene Liebeslieder,
dass Herz zu Herz sich bleibend finde.

© Edith Maria Bürger


Begleiter

Dort klagt ein Herz, in grauen Wänden,
in weißen Laken angekettet,
dass einer ihn mit sanften Händen,
die wunden Seelennarben glättet.

Doch niemand mag ihm Freude schenken,
ein jeder hat sich abgewandt,
sein stilles Warten will nicht enden,
auf den, der ihm ein Hoffen zugestand.

Nur einer streift zur späten Nacht
den Raum, sein Mitleid zu bekunden,
und haucht ihm Milde ein, ganz sacht,
in diesen hoffnungslosen Stunden.

Der zieht an des Lakens Zipfel,
und hüllt ihn weißumflorend ein,
und trägt ihn auf den höchsten Gipfel,
begleitend von des Trostes Schein.

Auf letzten Stufen, still befreit,
behaftend nicht von herber Gräme,
ist er dem steilen Weg gefeit,
und ist, wenn er`s vernähme,
zumindest nicht im Tod allein...

© Edith Maria Bürger



Selbstvergessenheit

Welchen Grad an Lust wir schon erfahren,
können wir nur dann ermessen,
indem wir uns dem Selbst ganz offenbaren,
umfängt uns bald das Selbstvergessen.

Sei es der Liebe Lust und Sehnsuchtswillen,
mit allen Stärken, Schwächen, die uns rühren,
um den Genuss des Augenblicks zu stillen,
bekommen wir den Hang des Inneren zu spüren.

Die reiche Ernte unserer Leidenschaft
die unser Fühlen nun erbringt,
erfüllt und hebt die Schaffenskraft,
bis uns die Selbstvergessenheit umringt.

Gleich welche Lust des Lebens wir erfahren:
Erst im Erfüllten können wir das Gut ermessen,
und wir den Blick für Andere bewahren,
sind wir gelöst, im Selbst uns zu vergessen.

© Edith Maria Bürger



Lebensreise

Umarmte dich das Leben
doch so jung.
Im unschuldsvollen
Blick die Welt
die grüner war
als jede Farbenlehre.
Und selbst die Herbste
schienen dich in Sanftheit
zu umgarnen.
Und Winternächte
schlohend weiß
entzündeten in dir ein Sehnen
dem Grün nicht zu entweichen
das dir die Hoffnung war
vom Saatkorn bis zum
satten treibenden Geäst.
Vergessen sind die Jahre
wo manches Säen dir versagt
doch hinter deines Schattens Lauf
entwirren Ranken sich
zur ebnen Bahn
und lassen dich zum Ende hin
ganz still entschlafen.

© Edith Maria Bürger



Vertraut

Vertraut
ist dir der stille See.
Der Tiefe samtner Grund
verklärt die Wehmut
ferner Zeit.
Der Wohlgesang der Wipfel
beseelt dein tieferschöpftes Tun
trägt Trügerisches weit hinaus.
Vertraut
der Äste Brachgeruch
im Altern ihrer Zeit.
Vertraut
wie dein Gesicht
das in sich ruhend horcht;
abschiednehmend
von der Atemlosigkeit
der Zeit.

© Edith Maria Bürger




Farben des Sommers

Leiser Wind umspielt das Brot des Sommers
prall gefüllt winkt es zur Ernte
sanft wiegen Blütenköpfe sich
trunken dem Sonnenlicht entgegen
die letzte Wärme ahnend
sinken sie bald seufzend nieder
hoffend auf uns
dieses Bildnis zu bewahren
wärmend im Herzen
vielleicht mahnend auch
zeigen sie
wenn graue Nebel über kühle Erde streifen
wird Dunkelheit nicht gleich zur Nacht.

© Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Sei getrost

Noch sind die kühlen Mauern
nicht die zugeteilten Meinen.
In deren Fugen aber kauern,
die eigenen Seelen, die beweinen,
was einst das Liebste hier auf Erden,
und unser aller Leben war,
doch milde Hoffnung ist im Werden,
dass still sie trauern, immerdar.
Denn mit der Gräser Wuchs entsteht,
ein Umhüllen ferner Zeit,
dass alles Leid in uns vergeht,
und Hoffnung bleibt, in Ewigkeit.

© Edith Maria Bürger


Angekommen

Das Ziel, das du dir einmal steckst,
wird irgendwann erreichbar sein,
und jede Stufe neu entdeckst,
so kehrst du selber bei dir ein.

© Edith Maria Bürger



Herz an Herz

Wir kamen bewusst
und unbewusst in diese Welt.
Das Licht enthob uns der Trauer
aus wärmendem Schoß
der nie wieder sein wird.
Vergängliche Höhlenzeit
wo Herz an Herz schlug
unsagbar nah...
Und doch, das Eigentümliche
aus Reife geboren: Liebe
Geborgenheit, Schoß an Schoß
im seligen Rausch der Augenblicke
und der Wunsch
nach greifbarem Vergänglichen
treibt uns erneut
Herz an Herz
unsagbar nah...

© Edith Maria Bürger





Du

Nur dieses eine Haar
von dir
auf deiner Schulter
weiß
wie Schnee
webt in Gedanken
Bilder der Erinnerung
spinnt zarte Fäden
kunstvoll Netze
räkeln sich im
Morgentau
der im ersten Sonnenstrahl
regenbogengleich
geschliffen funkelt
und deutet mir
wie kostbar
Diamanten
und an Reinheit
unvergänglich sind.

© Edith Maria Bürger



Der Schrei in uns...

Jung, glücklich. Vielleicht verliebt?
Es ist ein Stück Zeit, in unserer Zeit auf Erden,
da möchten wir die Welt aus den Angeln heben.
Veränderungen vornehmen, die vor uns schon verändert waren,
und handeln, wirken, zum Zerspringen. Kraftaufwand pur,
in allen Richtungen.
Dabei ist der Schrei in uns, nicht öffentlich,
sondern behutsam in Watte verpackt,
weil wir glauben es für uns zu tun,
nicht für die Welt, dem Gegenüber -
dem Näherstehenden - vielleicht.
Auch das Älterwerden ändert nichts an unserem Tun.
Den eigenen Egoismus bewachend,
dass er nicht nach außen dringt,
sondern wohlbedacht in uns ruht,
und ihn erst erwachen lassen,
wenn die Zeit gekommen ist.
Doch weit gefehlt.
Das Steuern ist mit einem Mal nicht mehr steuerbar,
wenn bahnbrechende Ereignisse eintreffen, die berühren.
Dann werfen wir selbstlos alles über Bord,
was überflüssig ist.
Plötzlich ist das Ich unwichtig geworden,
und wir werden weich, herzlich.
Dann ist der sonst stille Schrei in uns öffentlich,
wir werden öffentlich, bitten um Anteilnahme,
nicht für uns selbst.
Dass die angestaute Kälte in uns auftaut,
eine sehr menschliche Entscheidung trifft,
wärmt, wärmt nicht nur uns.
Jetzt, da uns das Entsetzliche überwältigt hat,
stehen wir auf, gehen gemeinsam einem Ziel entgegen:
Hinschauen, Geben, Begreifen! Wir begreifen,
dass es nicht nur das Ende der Welt betrifft,
es uns auch vielleicht treffen kann.
Und der verborgene Schrei in uns heraustritt,
Fragen aufwirft, die auf Antworten hoffen,
die der sonst hinnehmenden Menge die Augen öffnet,
für Menschlichkeit, Näherrücken,
nicht nur für den Augenblick.
Der Ruf nach Gott, aus der Stille heraus,
hat vielleicht Gehör gefunden.
Und dieses „Warum?“, Bewusstsein geweckt,
für vieles, was auf der Welt geschieht.
In einer Botschaft, die grausam war und ist.
Aber ist es nicht so, dass erst der
offene Schrei die Mächte herbeiruft?
Nicht der stumme Schrei in uns...

© Edith Maria Bürger  



Zeitwandel

Des Meeres
trautes Rauschen
mich umgibt
lässt träumen mich
in uferlose Zeit.
Doch zeigst du
oftmals ungestüm
mit deiner Wellen Macht
bizarre Sandgebilde
im nimmermüden Spiel
das wahrhaftig
Zeuge bleibt
und überlebt
auch im Wandel
unserer Zeit.

© Edith Maria Bürger



Nie wagte ich zu fragen...

Nie wagte ich zu fragen:
Was ist Liebe?

Schon als gesäugtes Kind
schaute ich in Augenfenster,
die offen eine Sprache wider gaben,
wortlos.
Und später,
als sich immer wiederkehrend
die Rosenhecken dunkelten,
und sich meine Bubikopffrisur
zur Lockenpracht wandelte,
da spürte ich im Gegenüber,
mir Näherkommenden,
dieses mir Gegebene,
in mir Getragene,
wärmend, gesalbt,
wie damals...

© Edith Maria Bürger




Erkenntnis

Netze,
ausgeworfen nach Hoffnung,
Zuwendung, Zärtlichkeit.
An Land gezogen,
zerstört vom Sturm des Lebens.
Leere erblickend,
Hoffnungslosigkeit, Abwehr,
Gefühllosigkeit.
Mut,
das Netz erneuern,
wieder auswerfen, einholen.
Den Reichtum des Lebens erkennend,
wirst du vor einem Gabentisch stehend
beschenkt,
ehe du es erkennen kannst.
Denn versteckt sitzt das Netzwerk Leben
in den Ecken auf harten Bänken.

© Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Obdachlos

Wenn die Dämmerung
ihr Werk vollbracht
die Laternen
Schlummerlichter
auf den Asphalt malen
schließen Türen sich
Fenster werfen Fluten
warmen Lichtes aus
nach denen
die in Nischen kauern
deren leere Augenhöhlen
suchend
lauernd
einen Hauch nur
ihrer letzten
verwundbaren Träume
unter ihrer papiernen Decke
versuchen zu verbergen.

(C) Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Hand in Hand Mensch sein

Lasst den Kindern noch ihr Lachen,
die Unbeschwertheit ihrer Zeit,
den Alten, die darüber wachen,
Nachsicht und Verständlichkeit.
Ihres Zeichens reif und weise,
ohne Angst und ohne Pein,
könnten sie ganz still und leise,
ihre Wegbereiter sein.
Doch die Gemüter sich erhitzen,
so, dass ihre Köpfe glüh`n,
nicht bewusst-
dass in den kleinsten Ritzen,
Sodom und Gemorra  blüh`n.
Anstatt die Hände sich zu reichen,
sie im Hades sich entzwei`n,
sehen nicht gesetzte Zeichen,
hören nicht die Alten schrei`n:
„Hört ihr jetzt auf noch Mensch zu sein?“

© Edith Maria Bürger



Gestern

Sehnsucht treibt dich die hölzernen Stiegen hinauf.
Kein unachtsamer Atemzug
zerstört die spinnengewobenen Netze der Zeit.
Licht und Schatten tanzen voller Harmonie,
schweben mit gläsernen, zerbrechlichen Füßen
über matten unberührten Staub.
Halbgeöffnete Truhen laden ein
Vergessenes hineinzulegen,
Verlorengeglaubtes  hervorzuheben,
wie Alben voller Poesie,
die nicht verschlossen bleiben möchten,
die ihren noch zarten Veilchenduft verströmen,
und mit Vertrautem deine Seele umschmeicheln.
Kostbares, wie die alte Standuhr,
ihr meisterlich geschnitztes  Gehäuse
achtlos an die Wand gelehnt.
Kein stündlicher Glockenschlag erinnert an ihr Dasein.
Ihr Schlüssel zum Verwelken der Zeit
liegt irgendwo im Verborgenen,
wie die Puppe im äußersten Winkel im Gebälks,
stumm sitzt sie da, mit Traumgespinsten im Haar,
das alte Lächeln ist ihr geblieben.
Ein Lächeln, verklärt, das der Puppe gleicht,
umspielt deine Lippen, still wendest du dich ab,
nur deine Schritte hinaus
hinterlassen Spuren im Staub der Zeit.

(C) Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Vergiss die Liebe nicht

So zart und rein
wie Kinderseelen
legt in dein Herz die Liebe sich.
Teile sie mit deinem Nächsten
behalt sie nicht für dich.
Bewahre sie
wie Gott sie gab
sei würdig dieser Liebe
zerbrich darüber nie den Stab
und wünsche dir
das über deinen Tod hinaus
sie in deinem Herzen bliebe.

© Edith Maria Bürger



Wagemut

Heute träumte ich
in diesen Momenten
nähte mir ein Engel ein weißes Kleid
das mir den Staub von meiner Seele wehte
mich über Scherben schreiten ließ
ohne mich zu verletzen
mit dem ich wanderte
aus der Enge dieser Welt

nicht auf verzweigten Wegen
nur einen Schritt aus mir heraus
und die Welt stand mir offen.

© Edith Maria Bürger


Lebenswert

Geh` dem Lächeln,
dem Lachen nach,
lasse zu die Freude.

Geh` dem Singen,
den Liedern nach,
lasse zu das Schwingen,
in des Herzens Tiefe,
kraftsuchend –
für das –
was man Leben nennt.

© Edith Maria Bürger



Wenn morgen gestern wäre

Ich habe das Licht gesehen,
die Sonne, den Mond und die Sterne,
die Vögel am Himmel,
die Wärme unter ihren Flügeln tragend,
darauf vertrauend erhört zu werden,
verkünden sie ihr uraltes Lied.
Ich habe ihr Sehnen verspürt,
im Blütenmeer meine Sinne betört,
am murmelnden Bach
den  Klängen meiner Seele gelauscht.
Ich habe das Rufen der Vögel vernommen,
zum Abschied auf Zeit.
Ich habe die Bäume gesehen,
in farbenprächtiger Gestalt
ihr langsames Sterben beginnend.
Doch gnädig löscht der junge Schnee
die alten Spuren.
Ich habe die Liebe erlebt,
behutsam festhaltend,
verletzlich, wie ein gläsernes Gespinst
im Gleichklang deines Herzens schwingend.
Ich habe getrauert,
um geliebte, verlorene Leben,
habe geweint im uferlosen Schmerz,
habe gelacht in überschäumender Glückseligkeit.
Ich habe mein Herz geöffnet,
dem Kind das Vertrauen sucht meine Hand gereicht,
ihm ein Lächeln geschenkt,
bei ihm Freude erweckt an des Lebens Buntheit.
Und morgen ?
Wenn mein Gesicht eine ferne Jugend erahnen lässt ?
Und die endlose Nacht ihren Arm um mich legt ?
Dann weiß ich heute :
Wenn morgen gestern wäre,
so wusste ich zu leben
in der "Zauberwelt  Leben ".

© Edith Maria Bürger



Glücksmomente

Eine Träne von mir
ging auf Reisen,
tief in dir verborgen.
Geprägt vom Erlebten
kamst du zurück.
Mit Sehnsucht,
silbern schimmernd
in deinen Augen.
Im Spiegelbild deines Herzens
tauchte ich in einem Meer
von dir geweinter Tränen,
und fand die Meine,
kostbar, wie eine Perle,
beschützend
unter rauer Schale,
und wir fanden uns wieder,
unter Tränen des Glücks.

© Edith Maria Bürger



Die Wüste lebt

Ein Herz weint still.
Dürre macht sich breit,
verborgen.
Kehr um, oh Herz,
öffne des Himmels
Schleusen Tore,
benetze dein Gesicht
im Sonnen Tau
des Tagesanbruchs Licht.
Durch sie, oh Herz,
beginnt die Wüste selbst zu leben.

© Edith Maria Bürger



Du und Ich

Du bist du
Ich bin ich
glaubte ich.
Das Band der Liebe
verknüpft
verschweißt
das Du
das Ich
zum Wir.

© Edith Maria Bürger



Vogelfrei

Als dein Tag noch Flügel trug
zogst du Kreise fern der Angst
über unbekanntes Feld
und die Fremde rief
mit lockender Gebärde.
Lahmend
sind nun deine Flügel
dein Lebensraum
ein Käfig deiner selbst.
Ein letztes Mal
verlässt du deinen Hort
der schützend
über dich die Hände hält
und wagst den Flug
mit sanftem Flügelschlag
dem hellen Licht entgegen.

© Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...


Erwachen

Ein Zwitschern
zieht über die Lande,
ein Rufen, ein Singen,
ein Sehnen aus innigster Brust.
Ein Vöglein
knüpft zärtliche Bande,
bereitet sein Nestchen
mit emsiger Lust.
Ein Drängen,
ein Wachsen,
ein Werden
sich in der Dunkelheit vollzieht,
erhebt sich aus Mutter Erden,
und die Natur singt dazu
ihr uraltes Lied.

© Edith Maria Bürger


Lenzemond

Noch sind die Gärten leer.
Flammen züngeln lebhaft in den Thermen
Verlängert wird der Aufenthalt in warmen Stuben.
Nur langsam rollt sich der Anfang aus der Stille,
hebt behutsam seine Starre aus den Angeln.
Die Sonne geht etwas unterkühlt an ihr Werk.
Doch regengeschwängerte Wolken haben ein Einsehen,
entleeren sich erst in bedürftigen Weiten.
Das Ansichtskartenblau nimmt in heimischen Gefilden Gestalt an,
und die Sänger der Lüfte stimmen ihre Saiten neu.
Menschelnd die Mimik, wandlungsfreudig gewinnt sie ihr
Lächeln zurück und deutet uns: Es lenzt...

© Edith Maria Bürger

Lenzemond*- März



Himmelskapriolen

Der Himmel scheint heut` durchgedreht,
ist zickenhaft und sehr labil.
Die Wolkenbänke, abgeweht,
entladen sich immens stabil.

Der Abendlärm ist längst verstummt,
nur Regentropfen trommeln weit.
Wer sich jetzt wagt, der geht vermummt,
noch tapfer durch die Dunkelheit,

mit Hund, der seine Fährte kennt,
(er führt sein Herrchen an der Leine)
nimmt nun Reißaus und überrennt,
verschmähend seine Lieblingssteine.

Ein Schneegestöber bester Sorte,
das Dunkel schnell mit Weiß versieht.
Der Überraschte, hier vor Orte,
schnellstens in Geschütztes flieht.

Das Ganze hinter Glas betrachtet,
lach ich im Warmen unverhohlen,
im Bett, mit Buch, die Zeit missachtend,
pfeif ich auf Himmels-Kapriolen.

© Edith Maria Bürger



Einsicht

Rostrot zieht der Abend
seine Schneise durch das Land.
Lebensmüde malt der Greise
dunkle Bilder in den Sand.
Sieht sie schwinden, kommen, gehen,
möcht den Tag des Gehens finden-
bleibt jedoch in Andacht stehen.
Und sein Blick wird klar und rein,
er bedenkt sein Tun-
in diesem milden Abendschein,
ist nicht die Zeit zu ruh`n.
Gefolgt von einem stummen Schrei,
er Worte formt aus seinem Munde:
Oh, bitte Herr verzeih,
nur du bestimmst die Stunde!

(C) Edith Maria Bürger



Schutzwall

Was weißt du über den Wind, mein Kind ?
Der sanft über Hügel zu streifen vermag,
der lauen Frühlingsnächten Flügel verleiht,
der den Sommer erquickend begleitet,
der dein Haar zerzaust,
wenn du froh lachend deinen papiernen Vogel
in seinem Spiel taumeln lässt,
der in eisiger Kälte an den Läden zurrt,
und du in meinen Armen wiegend,
beschützend den Stürmen gefeit
in Morpheus Reich versinkst....
Dort draußen, mein Kind,
wo Stürme der Macht entfachen,
im Sturm dein Herz erobert, gebrochen wird,
und Stürme den stärksten Baum entwurzeln ?
Komm, mein Kind,
halte noch für einen Augenblick
die Tür verschlossen.

© Edith Maria Bürger      



Unvollkommenheit

Und wenn die Welt vollkommen wäre
gäbe es kein Schwarz und Weiß zu unterscheiden
Rot und Gelb im Farbton bliebe
und das Kind im Kindsein reifte
den Baum nicht schnitt
und seiner Wurzeln Kraft entzöge
der Blume Kelch schon köpfte ehe er erblüht
brauchten wir nicht Toleranz zu üben
akzeptierten unser Sein und Werden
gleich jeglicher Gestalt.
Da der Mensch mit seinem Geist
verändern will die Welt
den Menschen seiner Haut entblößt
des Flusses Bett sein Eigen nennt
ohne der Vernunft Gehör nur zu verleihen
ist dieses Maß der Dinge
mit vorgegebenen Wert
ein schwierig Unterfangen
nicht nur in unserer Zeit.
Doch lernen lehren
dieses Tun wir mit Bedacht
ganz leis` und still
mit offenen Ohren Augen
wäre unsere Welt
vielleicht vollkommen.

© Edith Maria Bürger



Hoffnung

Was wissen wir
von heute und morgen?
Was begreifen wir
von heute und morgen?
Und gestern?
Vielleicht
ist es uns so gegeben,
dass wir nicht alles begreifen
weil alles
was wir nicht wissen
auch eine Hoffnung ist.

© Edith Maria Bürger



Visionen I

Er hieß Jonny
und lebte im Raum
der Vergessenen.
Jahr um Jahr
wie gesessene Brüder
Wand an Wand
allein nebenan.
Nachts nur stieg Laila
sinnlich lächelnd
unter sein Laken
belebte den Raum
des Vergessenen
der dem Morgengrauen
trostgebannt
entgegensah
wenn sie so seicht
wie gekommen
wieder in das Poster
an der kalkweißen
Wand entschwand.

© Edith Maria Bürger  



Visionen II

Als sprächen die Tapeten
an der Wand ein Gebet
das der Raum blühe
vor Säuberung und abwürfe
die Scham
von Gehörtem und Gesehenem.
Doch haftet der Grund auf Stein
und lockt keiner Zunge Geheimes hervor
und die Blumen stehen Naht an Naht
in Haltung geprägt im Papier
in voller Würde stumm ergeben.

© Edith Maria Bürger




Seelenreigen

Denkst du auch noch an die Zeit
als wir den Seelenreigen tanzten
und ihn mit Blütenkränzen
schmückten feierlich ?

Bestehend noch der Kranz
aus nackten Ästen einst umwoben
an Blühkraft hat verloren.

Von Taubheit nicht berührt
das Saatgut in sich lohnend keimte
vergehen darf es nicht
im Nebel grauer Tage
erhaben soll es wieder blüh'n
vereint geben wir der Zukunft Hoffnung
und der Liebe Nahrung stilles Glück zurück.

© Edith Maria Bürger


Liebe ist...

Wie zwei Tautropfen
ineinander fließen
in heißem Atem
verästelnd
verwurzeln
in werdendem
Blattwerk versinken
das flüstert
von Sehnsucht
aus einem unendlich
fernen Raum.

© Edith Maria Bürger



Kälte

Wann gibst du zu
dass hinter deinen Lidern
Wärme wohnt?
Müssen erst die Blätter
schaurig flüstern
welch Kälte dich umfängt?
Dass selbst das
Frühlingsweben
jäh verstummt?
Wann?
„Gestern, war so ein Tag!", sagst du.
„Da wollt ich !“
Gestern
sah ich nur die
schwarzen Schwäne
auf eisigem See
denen ich einige Krumen
zuwarf-
Freude in ihren Augen sah -
Doch du trittst selbst
die kleinsten Gesten nieder.

© Edith Maria Bürger



Herbststimmung

Der Tag sich ohne Eile beugte,
des Sommers Ende sanft gebar,
und Blatt für Blatt sich wach beäugte,
im Sonnenatem farbenklar.

Im Fallen noch ein Lächeln tragend,
jedes grüßend seine Zeit,
nie ein Orakel je befragend,
taumeln sie nun himmelweit.

Ein Abgesang von dunklen Tönen,
aus tiefsten Tiefen hoch hinaus,
klingt wie ein inniges Versöhnen,
mit Gottes still erbautem Haus.

Und die schwarzen Äste greifend,
in den endlos hohen Raum,
im Innern alter Erde reifend,
der neuersehnte Frühlingstraum.

(C) Edith Maria Bürger  



Septemberküsse

September Mond und Abendsterne,
die man im Älterwerden spürt,
versetzen uns in weite Ferne,
wenn sich das Leise in uns rührt.

Noch einmal möchten wir es wissen,
und beugen uns dem Wohlgesang,
verschmähen unser Ruhekissen,
denn im Erinnern trägt uns tiefer Klang.

Der angefüllt mit warmen Tönen,
die sonst im Frühling in uns waren,
verfallen wir dem einst so Schönen,
ist auch schon Schnee auf Haut und Haaren.

© Edith Maria Bürger




Weit entfernt singt Ewigkeit

Der Bach übt Sprünge
über Stock und Stein.
Der Sommer hat
ein Feuerwerk entzündet
aus gleißend hellen Nächten
springt die Zeit.
Wir sammeln ein das Bunte
das über uns entleert
von Händen die so sanft
gestreut.
Weit entfernt singt Ewigkeit
nimmt uns vorab
der Dinge Traurigkeit
und hütet unser Lächeln
in der Flüchtigkeit der Zeit.

© Edith Maria Bürger


Glückliche Begegnung  
im Elbverlag in der Trilogie "Glück" erschienen

Ich sitze im Zug nach Nirgendwo,
es glänzt die Sonne,
wie loderndes Stroh.
Träumend ich aus dem Fenster schau,
der Himmel gefärbt,
in himmlischem Blau,
mit Wolken , so weiß,
wie geschwängert, so prall,
bewundernd schau ich,
in`s unendlich All.
Meine Gedanken,
sie schweifen,
als könnt ich` s,
mit meinen Händen ergreifen.
Verklärt erscheint alles im Sonnenlicht,
und ich sehe die Zukunft,
voller Zuversicht.
Meine Gedanken sie schwirren,
durch Blumen, die blüh`n
und ich sehe die Vögel,
die heimwärts zieh` n.
Ich langsam mein Haupt,
wie gesteuert ich wende.
Es haftet mein Blick,
in seinem Gesicht,
als spräche es Bände.
Und alles verzerrt sich,
in nüchternem Grau,
als in das Gesicht
des Alten ich schau.
Er schlafend mir gegenüber mir sitzt,
mein Gemüt unaufhaltsam sich erhitzt.
Als hätt` jede Phase seines Lebens,
Furchen gegraben in seinem Gesicht.
Ich fahr in Gedanken die Linien entlang,
doch such" ich vergebens,
es wird mir sehr bang.
Grabesstille uns langsam umfangt,
der Himmel sich plötzlich mit Grau verhängt.
Er öffnet die Augen,
sein Blick fallt in`s Leere,
als sähe er durch eine Wand,
mir ist's,
ich säße in einer Galeere,
seh' sein Gesicht -
und mir ist' s so,
als hätt` ich's schon immer gekannt.
Die Phantasie mein Augenlicht trübt,
obwohl es sonst
besser geübt.
Schiebt sich vor des Alten Gesicht,
das Gesicht meines Vater' s,
im hellen Licht.
Es kann doch nicht sein,
so plastisch und rein,
die Züge so weich,
er ist doch schon lange im Himmelreich.
Plötzlich erscheint mir der Alte sehr jung,
wie mein Vater, der lebt -
in Erinnerung.
Ich sitze im Zug nach Nirgendwo,
wieder glänzt die Sonne,
wie loderndes Stroh.
Der Zug,
er rattert im Takt vor sich hin,
wie der Herzschlag des Lebens,
doch immer noch such ich vergebens,
nach der Begegnung Sinn.
Der Alte erhebt sich,
mühsam und schwer,
doch seine Augen sind nicht wie vorher,
so müde und leer.
Ein letztes Mal sein Antlitz sich dreht,
ein Hauch von Hoffnung
zu mir herüber weht.
Der Zug, er hält,
auf dem Bahnsteig des Lebens.
Jetzt weiß ich' s,
such' nicht mehr vergebens.
Der Alte steigt aus,
ich seh' sein Gesicht -
und ich fahre nach Haus,
voller Zuversicht.

© Edith Maria Bürger


Ein Dankeschön für meine Leser
Danke

Ein kleines Wort
zur rechten Zeit
beschert
dem Nehmenden
viel Glück
es öffnet ihm
das Herz ganz weit
und gibt dem
Gebenden
die stille Freude
gern zurück.

© Edith Maria Bürger



Saat der Liebe

Ich möcht in dir
die Liebe säen
fruchtvermehrend
wie das Korn
in satter Erde.
Aufrecht dem Licht
entgegenstrebend
langsam reifend
zu einem Laib werden
um das Brot
mit dir zu teilen.

© Edith Maria Bürger


Der Tag neigte sich...

Der Tag neigte sich...
und mit ihm verblieb der Duft
von frischem Heu in meinen Haaren...
im Apfel die Sünde schmeckend...
im Baum die Verführung spürend
ihn zu erklimmen...
die Füße nie schmerzend
wenn ich barfuss
über Stoppelfelder lief...
Der Tag neigte sich...
und durch die Sohlen
meiner Schuhe
spüre ich jeden Stein.

(C) Edith Maria Bürger



In Memoriam

Die letzte Strophe
deines Liedes
war verklungen
als er deinen Namen rief
in uns jedoch wird's
nie verstummen
es singt ganz leise
seelentief.

Edith Maria Bürger



Elixier des Lebens

Kristallnes Nass
das Leben in sich birgt
schenkt Leben dir für Stunden.
Dem Dürstenden gereicht
vermag er aufzublühen so wie du.
Drum füll' ich auf den Krug
dass er nicht geht zur Neige
denn dürstend leiden beide
die edle Rose und auch du.

© Edith Maria Bürger



Am Wegesrand

Geschaffen einst von Gotteshand,
zum Rosenkranz erkoren,
nun liegt sie fast erloschen,
achtlos dort am Wegesrand,
als wär sie nie geboren.
Ein Tropfen Tau,
der aus ihr quillt,
lässt leuchten  sie,
als würd sie leben.
Traurigkeit ins Herz mir schwillt,
sie verführt mich nun,
sie zaghaft aufzuheben.
Ich stell sie in kristallnes Glas,
gefüllt mit kühlem Nass,
die kleinen Blätter recken sich,
wie frisches grünes Gras.
Sie streckt ihr blutrot Blütenköpfchen-
lockend wie des Weibes Mund-
strahlend mir entgegen.
Es ist,
als wollt sie Dank mir sagen,
du gabst mir wieder neues Leben.

© Edith Maria Bürger
4. Nov. 1996



Vergänglichkeit

Nie mehr werden Blumen blüh`n
auf gläserner Leinwand zart verschmelzen
Blattgespinste hingegossen sein
die mit sanftem Pinselstrich geführt
erstrahlten.
Liliengleich der Blüten Kelche
Liliengleich der Kälte Ströme
als wären wir in fremden Gärten
die auf Eises Grund bestellt.
Der Vergänglichkeit bewusst
mit des letzten Atem Hauchs
entrücken wir nun federwarm gebettet
der Eiszeit gern
in watteweich gehüllten Mauern
die von Erinnerung
umrankt erblüh`n.

© Edith Maria Bürger





Inselglück

Unsere Kinder -
Sie liegen uns
täglich im Ohr.
Sie werden uns
ähnlicher
Jahr um Jahr.

Lass uns ein
wenig verweilen
auf jener Insel
und Sonne streuen
in ihre Augen.

© Edith Maria Bürger



Brief der Liebe

Nächtliche Gedanken
fügten sich
und führten zärtlich
die Hand
tränkte Papier
mit werbenden Worten.
Und die Begehrte
küsste Ankommendes
zwischen den Zeilen –
inniglich.

© Edith Maria Bürger



Gesetz des Wandels

Schneemüde sinkt der dunkle Ast,
und stöhnend bricht sein Schweigen,
er enthebt sich seiner weißen Last,
befreiend von den schwarzen Zweigen.

Er stellt sich seinem Lebenskreis,
und spürt den Gang der Jahreszeiten,
ein Muss des Wandels ist Beweis,
des Fügens aller Endlichkeiten.

Doch ehe wir die Grenzen überschreiten,
bemerken wir den drohenden Verlust,
der uns gegebenen Kostbarkeiten,
und wird uns dessen Wert bewusst.

Des Lebens knospende Versprechen,
sind den eines Baumes gleich,
sich wehrend gegen allerlei Gebrechen,
und wieder blühend, groß und reich.

© Edith Maria Bürger


Herbstwind
trägt den Rosenduft
des Sommers
mit in seine Zeit.
Blühe Rose
blühe
und nimm dem Herbst
ein wenig
von seinem Sterben.

© Edith Maria Bürger


Feuer und Eis

Spiel mir noch einmal dieses Lied
das sich in meine Seele brannte.
Es glühte einst so lichterloh
vermochte gar das Eis zu schmelzen
zwischen dir und mir.
Noch glimmt es unter zarter Kruste
versuche es behutsam zu entfachen
ehe es zur Asche wird in dir und mir.

© Edith Maria Bürger



Strandwanderung

Versickert ist das Lachen still im Sand,
das einst mal leise und auch laut,
im Gegenüber Freude fand-
es war mir so vertraut.

Doch nun im Wechsel der Gezeiten,
die nimmer müde ruhen,
blick ich in sonnenlose Zeiten,
und Muscheln knirschen unter meinen Schuhen.

Und bald im Zeichen rauer Winde,
gleicht das Meeresrauschen einer Schur,
dann wandel ich, bis ich mich finde,
und folge meiner stillen, inneren Uhr.

© Edith Maria Bürger  



Hervorholen
die Liebe
das Lachen
die Menschlichkeit
das Überbordgeworfene
Nichtiggewordene
in uns
  um uns
     für uns
        mit uns
wieder.

© Edith Maria Bürger



Schattenspiele

Mondlicht
gleißend silberhell
schaurig schön die Nacht erleuchtet.
Schatten kriechen seltsam
über Mauern und Geäst
tauchen ab
in dunkelste Gefilde.
Der
der Böses führt im Schilde
nutzt dein Licht
und Schattenspiel
um am Tage
sein Gesicht zu leugnen.

(C) Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Bei Abruf: Zimmer frei

Kalt sind die Räume, klein,
um sie nicht winzig zu nennen.
Persönliche Habe
an die Wand genagelt,
mit bloßer Hand,
und niemand hat den
Aufschrei gehört,
nur die Einsamkeit
hallt in den Wänden wider.
Beim letzten Atemzug,
sagt die Hausordnung,
wird die Ausgangssperre
aufgehoben!
Und die Nacht schluckt
die stumme Geschäftigkeit,
die in der Tiefe endet.

(C) Edith Maria Bürger




Freude zu geben
ist etwas sehr Schönes.
Freude zu empfangen
ist einzigartig.

(C) Edith Maria Bürger



Lockruf

Mir ist kalt, ich möchte flieh`n,
dem Kranich gleich gen Süden zieh`n,
im sanften Gleitflug schwebend,
hinab zur Erde bebend,
miteinander selig schweigen,
um noch einmal aufzusteigen,
der Sehnsucht Lockruf zu verspüren,
und mich hemmungslos verlieren…
an dich.

© Edith Maria Bürger



Facetten

Du bist wärmend
wie die Sonne
manchmal trauernd
einem Novembertag gleich.
Scheinbar über Grenzen springend
blickst du in den Tag.
Schlagen deine Wellen auch
hart an schroffe Klippen
deine Hand jedoch
lässt den Eiseshauch
eines Wintertages
schmelzen.

(C) Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Mit Liebe...

Der Tag streift zärtlich mein Gesicht,
die Nacht zieht friedevoll vorbei.
Die Liebe stärkt mein Gleichgewicht,
es bricht kein Stundenglas entzwei.

Ach, bliebe diese Zeit bestehen,
sie trüge mich so federleicht.
Mit Liebe gäb` es kein Vergehen,
mit ihr wär` höchstes Gut erreicht.

Umkreist mich dann ein letztes Mal,
ein Atemhauch mit aller Macht,
erlischt mein Lebenslicht nicht fahl:
Ich hab` geliebt, es ist vollbracht!

© Edith Maria Bürger  



Ausgeschwemmt

Verbunden wie eine Perlenschnur
von der sich Perle an Perle verliert
hinabfällt ins Unergründliche
ins nie Vorhersehbare
glanzverlierend
ungetragen Haut an Haut
sind wir
die geraute Schale
mit zwei Hälften
ausgeschlagen mit zarten Häuten
verlassen vom Strom der Zeit
die sich nicht mehr verschließt.

© Edith Maria Bürger



Wie ein Grashalm im Wind...

Das Dasein von fremder Hand gestutzt,
zertreten mit Füßen,
fast verdurstet im Sommer,
fast erfroren im Winter und doch:
ein Wachsen, ein Werden trotz rauer Zeit,
ein immer wiederholtes Aufstehen,
und sich dem Wind entgegenstellen.
Aufrecht, leben zu jeder Zeit…
Sind wir nicht alle,
wie ein Grashalm im Wind?

© Edith Maria Bürger / 27.02.013



Entwurzelt

Manche Begegnungen
blühten am Rande des Weges.
Ich pflückte sie
nahm ihnen die Wurzeln
unbedacht.
Ich machte mich auf
die Biegungen des Weges
zu begradigen
die Wurzeln wieder zu finden
heim zu tragen
um die Finsternis zu beleuchten.
Irrlichter nun die Schattenstunden mildern,
gaukeln mir Nähe vor
die sich vor langer Zeit entfernte;
ohne Abschied.

© Edith Maria Bürger



Reifezeit

Du gabst mir Zeit
im Nest zu reifen
und Wagemut
den ersten Flügelschlag
zu überwinden
der nun im Gleichklang
unserer Herzen
dem hellen Licht
entgegen strebt.

(C) Edith Maria Bürger



Stützpfeiler

Nichts sind wir, ohne das Geleit des Tages,
der mit sich bringt das Licht, das Lachen, das Leben.
Und wenn wir vom Tag entlassen werden,
erschallt in uns Leere,
die nachklingt aus einem unerfüllten Tag,
wie die Knospe, die nie ihren Kelch öffnen durfte,
die nie die Sonne in ihren Adern pulsieren spürte,
so wie wir das Klopfen in unseren Herzen,
wenn uns im Lachen ein Licht scheint,
und  dem Leben freimütig die Hand reichen,
mit ihr ausschöpfen,  den Brunnen unserer Seele,
gleich an welchem Tag,
auch in dunkelgewandeten Stunden,
das Klopfen in uns ein Zeichen bleibt.

© Edith Maria Bürger  



Momentaufnahme

Müde wälzt der dunkle Fluss,
sich im dicht gedrängten Bette,
und wie ein lind gehauchter Kuss,
vermählt in grauer Silhouette,

ein glühend roter Sonnenball,
der flammend wie ein Scheit,
im lauten Rauschen überall,
verschmilzt mit der Unendlichkeit.

Doch nur für einen Augenblick,
in diesem düstren, üblen Schwaden,
lehnt sich das Sonnenglüh`n zurück,
und sinkt ganz leise, staubbeladen.

Nun umfächeln dunkle Wogen,
der Stätte kaltes Element,
sie kommen dumpf und schwarz gezogen,
enterbend fast das Firmament.

Ist es nicht wie ein Entweihen,
der gottgegebenen Ewigkeit ?
Wird er uns es je verzeihen,
im Büßerhemd der neuen Zeit?

Es bebt in mir ein kalter Schauer,
herb ist mein Blick zurück im Gehen,
versinkend bald in tiefer Trauer,
die Schöpfung im Vergeh`n zu sehen.

© Edith Maria Bürger  



Ein wenig Liebe

Verkrustete Seelen
durch die Härte der Gegenwart
gespalten
in Stücke zerfallen
geworden zu Staub.
Ein Windhauch reicht
um alles zu verwehen
ins Nichts.
Ein wenig Liebe
könnte sie
vor dem Zerfall
bewahren.
Gib dich ihr hin...

(C) Edith Maria Bürger



Wenn die Seele Trauer trägt...

Ein Lächeln trägst du auf den Lippen,
nach außen hin kein harter Zug.
Doch schließt du hinter dir die Türe,
weißt du es selbst, es ist nur Lug und Trug.
Kein Mensch soll seh`n in dich hinein,
nach außen hin nur gold`ner Schein.
Hälst es fest in dir verborgen,
für andere hast du keine Sorgen.
Hast immer für die Nächsten,
ein offenes Ohr, ein gutes Wort,
und hilfst zu jeder Zeit,
egal an welchem Ort.
Doch in dir selbst, ganz tief da drinnen,
dort brodelt ein Vulkan,
du glaubst, es gäbe kein Entrinnen,
es grenzt schon fast an Wahn.
Ein unsichtbarer Trauerflor,
langsam ins Gemüt sich schleicht,
erfasst nun deine Seele,
die  einem  Trümmerhaufen  gleicht.
Warum öffnest du dich nicht,
nur einen kleinen Spalt?
Vielleicht sind`s jetzt die Anderen,
die nun dir geben Halt.
Befrei dich von der großen Last,
und lass die Trauer nur zu Gast.
Schrei es hinaus, heraus aus voller Kehle,
so ist dein Hilfeschrei,  ein wenig Balsam,
für deine wunde Seele.

© Edith Maria Bürger  



Was geht`s mich an...

Wir sind nur Gast auf dieser Welt,
und jeder macht, was ihm gefällt.
Nur wenige sind hier bereit,
zu helfen, wenn es an der Zeit.
Im achtlosen Vorübergehen,
bleiben viele nur noch stehen,
wenn lichterloh ein Feuer brennt,
wenn dort ein Mensch ums Leben rennt,
wenn Menschenleben in Gefahr,
sind sie entsetzt - erschaudern zwar,
doch alledem den Rücken kehren,
die eigene Hilfe selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Die dritte Welt, sie hungert nicht nur heute,
dort nehmen sich die Stärkeren, die beste, fette Beute.
Der Schwachen sind es viele,
sind nur noch Haut und Knochen,
da wird`s gezeigt als Fernsehspiele,
es bringt so manchen gar zum Kochen.
Doch die große Schar?
Sie ist entsetzt – erschaudert zwar.
Trotz alledem den Rücken kehren,
die eigene Hilfe selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Doch nicht nur dort, gleich hier vor Ort,
verlässt der Nachbar hier sein Heim,
wird nie mehr unter uns nun sein.
Verhungert sei er, hört man entsetzt –
und erschaudert zwar.
Und was macht die große Schar?
Sie alledem den Rücken kehrt,
die eigene Hilfe selbst verwehrt.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Erhaben trägt der Baum die Krone,
gehofft hat er, dass man ihn schone.
Manch Sturm ist drüber weggefegt,
und Feuer ward herumgelegt.
Kriege hat er überwunden,
obwohl er dabei arg geschunden.
Doch jedes Jahr zur Frühjahrszeit,
zeigt er erneut, was in ihm steckt,
und seine zarten Knospen,
der Sonne hin entgegenstreckt,
Er brach nun an der Erde liegt,
sein stolzes Haupt,
sich nicht mehr sanft im Winde wiegt.
Irgendwann rächt  die Natur,
mit tiefen Kluften sich, in Wäldern und in Flur.
Doch wir alldem den Rücken kehren,
den eigenen Schrei hier selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Leergefischt fast auch das Meer.
Der Mensch, wie immer, er will mehr.
Zerstört auch hier das Gleichgewicht,
nur auf Profit ist es erpicht.
Vergiftet es noch nebenbei,
was nach mir kommt ist einerlei.
Die Natur ist in Gefahr!
Wir sind entsetzt – erschaudern zwar.
Doch alledem den Rücken kehren,
den eigenen Einsatz selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Bomben mit Atom gespickt,
werden tief ins Meer geschickt.
Zerstören blind dort die Kultur,
verseuchen Menschen und Natur.
Ein weißer Fleck den Atlas ziert.
Ein Kind, es fragt: „Was ist passiert?“
Sehr hart wird hier die Antwort sein:
„Es ist zu spät, es hilft kein Schrein!“
„Dort war ein Strand, jetzt Niemandsland!
Das Paradies ist abgebrannt!“
Und was macht die große Schar?
Sie ist entsetzt, erschaudert zwar.
Sie alledem den Rücken kehren,
den eigenen Einsatz selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Fanatisch wird der Mensch auf Erden,
getrennt nach seinen Rassen.
Was soll nur daraus werden?
Soll`n wir uns alle hassen?
Lasst sie doch leben,
nach Brauchtum und nach Sitten,
und attackiert sie nicht, mit bitterbösen Tritten.
Doch wir alldem den Rücken kehren,
die eigene Hilfe selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Als Außenseiter abgestempelt,
die Ärmel selbst nie hoch gekrempelt.
Vom Allgemeinwohl nur noch lebt,
und täglich volle Tassen hebt.
Gefüllt mit Schnaps und auch mit Bier,
das einzige Lebenselixier.
Doch niemand fragt: „ Was ist geschehen?“
„ Soll er doch am Abgrund stehen!“
Wir alledem den Rücken kehren,
die eigene Hilfe selbst verwehren.
Lass doch die anderen daran...
Was geht`s mich an...

Und liegst du eines Tages,
allein und krank in deinem Haus,
dein Hilfeschrei wird nicht erhört,
er hallt ganz weit hinaus.
Dein Kopf noch klar, die Augen rein,
sehr bitter fällt dir plötzlich ein,
und du erinnerst dich daran:
Mein Gott, es ging mich niemals etwas an!

© Edith Maria Bürger  





Fassaden

Rampenlichtgeschönte Köpfe
geglättet
mit feinpuderigem Glanz übertüncht
Augen gieren
um Gunst zu erhaschen
Gerüchte werden zu Flüstergalerien
Münder formen gespaltene Worte
spenden gnädig ein eingefrorenes Lächeln
Hände zeichnen Größen ohne Wert.

Nur die heimischen Wände
kennen ihre Gesichter
abgetakelt
ohne Wind in den Segeln
liegen sie hinter verschlossenen
Türen vor Anker.

© Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: "Leben ist...



Zeit der Liebe

Gib mir Zeit
die Welt zu sehen und zu fühlen.
Gib mir Zeit
die Möwen lachend
über schäumender Gischt zu hören.
Gib mir Zeit
das Salz des Meeres
auf meiner Haut zu spüren
wie einen Kuss
von deinem brennend heißen Mund
der uns in Ewigkeiten verschmelzen
und die zerrinnende Zeit
vergessen lässt.

(C) Edith Maria Bürger



Himmel auf Erden

Sanfter Wind
singt in den Lärchen
stimmungsvoll im Abendrot.
Träumend tragen mich Gedanken
über wolkige Gebirge
hinter denen zartes Singen
einem Chor der Engel gleicht.
Dankbar senke ich die Lider
halte Einkehr zum Gebet
glaub mich weit entfernt
von dieser Erde
und bin dem Himmel
doch so nah.

© Edith Maria Bürger



Mondgelüste

Millionen Jahr,
steht er dort droben,
der Mond am Himmelszelt.
Ach, wie hat in dieser Zeit,
sich verändert diese Welt.
Doch er, er steht in alter Pracht,
voll leuchtet nach Gezeiten,
hat nicht verloren seine Macht,
in der Welt, der weiten.
Betrachtet man ihn ungeniert,
ein Phänomen, das fasziniert.
Die Augen, die zu sehen scheinen,
ein Feuer sich darin entfacht,
die Nase rund, man könnte meinen,
dass auch der Mund ihm lacht.
Dieser alte, kalte Planet dort droben,
mit vielen Sagen doch umwoben,
hat uns das Grauen schon gebracht,
in einer einzigen Vollmond - Nacht.
Die Geister scheint er zu beschwören,
in Nebelfetzen, grau und kalt,
Sturmgesang, meint man zu hören,
und Totentänze aus dem Wald.
Auch manches Liebespaar sich fand,
in lauer Maiennacht,
als er dort oben golden stand,
hat e r dabei gewacht.
Und manche Menschen wandeln geh` n
sieht man ihn oben wieder steh`n.
Im Märchen, der Gebrüder Grimm,
ergab der Mond hier einen Sinn,
denn Hänsel nahm einst Kieselsteine,
um den Heimweg zu erkunden,
der Silbermond tat hier das Seine,
so hat er schnell nach Haus gefunden.
Der Mensch, wie immer mit Begier,
nahm ihn beizeiten in' s Visier.
Raketen nahmen ihren Lauf,
man schoss sie oftmals dort hinauf.
Schwerelos in Raumanzügen,
hatten sie den Mond bestiegen.
Das Ereignis, riesengroß,
saß man doch in Mondes Schoß,
von dort aus auf die Erde sah,
ach, wie war sie doch so nah.
Diese Farben der Natur,
war ein Erlebnis pur.
Der Gedanken Lust zu  frönen,
bei diesem Anblick,
dem himmlisch schönen,
trotz Andacht man dabei gedacht,
ihn irgendwann - vielleicht -
bewohnbar macht ?
Doch es steht noch in den Sternen,
Gott sei Dank - in einer Zeit,
der ganz, ganz fernen.
Bald glühet wieder sein Gesicht,
man weiß -
es leuchtet nur vom Sonnenlicht.
Dann glänzet er, wie diese Nacht,
hat nicht s verlor n , von seiner Macht.

©Edith Maria Bürger



Analyse

Der späte Herbst
wird eine Antwort geben
ob du mein Blut
mein Eigen warst
meines Sinnes
tief durchdrungen
im Tränenmeer
zusammenfließend.

Doch spürend
längst vor brachem Herbst
sind wir verschworen
der Klang der Herzen
ist synchron
der Austausch
stummer Blicke
spricht Verständigung
von Sommers Zeit
im Herbst.

© Edith Maria Bürger  



Warum?

Was nützen uns die weißen Fahnen,
wenn niemand sie im Winde hält?
Was nützen uns die weißen Tauben,
wenn keiner sie im Fluge lenkt?
Zu dem der Allmacht hätt `,
über ein unbeflecktes Erbe,
wenn nicht Er...

© Edith Maria Bürger



Schweigemarsch des Herbstes

Vogelschwärme ziehen
das Winterlied schon ahnend
welches du noch nicht vernimmst.
Siehst Bäume nur in Gold gekleidet
genießt der letzten Blüten Duft
die aufrecht steh' n
wohlwissend das ein Ende
besitzergreifend naht.
Melancholie dich leis' beschleicht
versuchst der Bäume
letzten Atemzüge zu verstehen
die nach der Naturen Brauch
zurückgezogen ruhend schweigen.
Besinnend nicht nur dieser Zeit
begreifend dich der Ruhe hinzugeben
gehst du das Kühle mit ins Warme nehmend
um Morgen zu bestehen.

© Edith Maria Bürger  



Erinnernde Worte

Ich bin müde vom Wandern
vom rastlosen Vorwärtsschreiten
doch phantasiegeprägte Worte
unaufhörlich pochen
wollen malen diese Bilder
die im Vorübergehen
an Gestalt gewonnen
nicht zerfließen mögen
nur erinnern
welch Schönes ich gesehen.

© Edith Maria Bürger



Tausend Töne

Tausend Töne
mir ins Herze dringen
höre ich der Geigen Klang
höre meine Seele klingen
lass mich tragen ohne Zwang.
Dass des Menschen
Hände es vermögen
ist einem Wunder gleich
dem Instrument
mit Lust zu frönen
sich hinzugeben
macht sie reich.

© Edith Maria Bürger


Gibst du deine Träume auf
so ist es
wie ein Stückchen zu sterben.

(C) Edith Maria Bürger  



Vogel der Nacht

Der Tag im Dunkel sich verirrt,
verschreckte Sterne einsam schweigen,
ahnend wem die Stunde schlägt.
Vor Glockenschlag und Monderwachen,
ortet er mit sanftem Schwingen seiner Flügel,
die gespickt mit Lust und Gier, die Opfer,
die es mit gewetzter Kralle nun zu fassen gilt.
Die er verführt, betört, und sie im Morgengrauen
wieder suchend nach Gelüsten,
aus seinen Fängen löst.

© Edith Maria Bürger



Mit dem Herzen sehen...

Still sitzt du da,
mit einem Schleier von Trauer
in deinen Augen.
Dein Schweigen,
ein eiserner Ring,
an dem du dich kettest,
möchte ich mit sanfter Berührung
sprengen,
deine uferlose Traurigkeit
fortspülen,
und mögen unsere Hände
zueinander finden,
unsere Blicke
tief in unsere Herzen tauchen,
wie zwei Gewässer,
die ineinander fließen –
eins werden,
und die Mauer des Schweigens
öffnen.

© Edith Maria Bürger  



Übersättigung

Sie suchten im Dreck,
nach dem der Hunger schrie.
Gleich welches Ablaufdatum
auch an Apfelbäumen stand,
die Gärten wurden leergeräumt,
bis zum nackten Stamm,
der sich o Wunder,
bis zum nächsten Ausschlag
wieder wunderbar behängte,
und greifbar war im frühen Herbst.

Noch sind die Gärten überfüllt,
sie werden keine Lichte
durch Abnahme erfahren.
Sie faulen dahin,
für die der Himmel
Heimat ist im Fluge.

Brenne die Erinnerung
ein Zeichen in verwaiste Töpfe,
stünde selbst die feinste Nachbarin
im Apfelbaum auf höchster Sprosse.

© Edith Maria Bürger
Neue Lyrik Band 1 / 5



Ode an die Liebe

Schöpfe aus dem Blütenkelch der Liebe
der dein Dasein reich erfüllt
hege seine Verletzlichkeit
so wird er nie versiegen.

Streichle meine Seele
mit deinem Lächeln
deiner Liebe
die Knospen
die sich öffnen
erntest du
nicht nur einen Sommer lang.

Tränen aus Liebe
liebkosend getrocknet von dir
verlieren ihren Schmerz
durch dich.

Süße Macht der Liebe
beflügelst meine Seele
treibst mich
in uferlose Sinnlichkeit
zu dir.

Errötend
senke ich den Blick
vor deiner Güte
deiner Liebe
die du mir geschenkt.
Ich gebe dir
mein übervolles Herz
zum Dank
aus Liebe.

Folge den Klängen deiner Seele
spüre ihren tiefen Sinn
sie werden dich tragen
himmelwärts
in zauberhafte Welten.

© Edith Maria Bürger
aus meinem Buch: Leben ist...



Frage und Antwort

Kann man ein Lachen je vertagen?
Mein Freund, ein Lachen nie!
Oftmals würdest du verzagen,
weil es ständig in dir schrie.

Dein Herz wär `ohne Frage stumpf,
und der Schutzfilm abgehäutet,
es klänge in dir hohl und dumpf,
du fühltest dich nur ausgebeutet.

Bliebe das Lachen uns versagt,
wäre Freude Schall und Rauch,
und auf ein nächstes Mal vertagt,
dann stürbe alles andere auch.

© Edith Maria Bürger



Nur wer liebt...

Wenn auch die Jahre vergilben,
wie das Foto an der Wand,
so denke ich oft an die Silben,
die du mir heimlich zugesandt

Da waren die Worte verschlungen,
mit zartem Blütenduft umweht,
sie haben so sanft geklungen,
und nur wer liebt, der versteht.

Noch immer in uns versponnen,
neigen wir uns im Dämmerlicht,
Aug in Aug und tief versonnen,
streife ich zärtlich dein Gesicht.

Und ich greife unumwunden,
nach dem Foto an der Wand,
es bedeutet in diesen Stunden,
dass nichts vergeht, was uns verband.

© Edith Maria Bürger



Neuland in uns

War ich mir sonst allein genug,
doch nun in mir ein Schrei,
der übertönt mein inneres Weinen:
Bleib, ruft es in mir, in dir!
Und sieh, der Wandel jede Klippe bricht,
umkränzt das Land mit lichtem Schein.
Welch Süße nun den Raum durchströmt,
umflort von zeitloser Gestalt,
die Sehnsucht, die verloren schien,
nun zärtlich in uns widerhallt.

© Edith Maria Bürger



Einkehr

Hände die sich finden
sich halten
entfalten
Besinnlichkeit.

Hände die sich finden
sich halten
verbinden
in Ewigkeit.

Hände die sich finden
sich halten
verbinden
stillwerdend
dem dankend
dass man leben darf.

© Edith Maria Bürger



Traumbilder

Weiße Hallen spiegeln sich im Geiste,
geschmückt mit gold`nen Leuchten pur.
Ich höre Stimmen und ich leiste,
mir den Blick zur weiblichen Statur,

die geziert mit Goldgeschmeiden,
und rosig angehauchtem Munde,
reich umhüllt mit edlen Seiden,
bereichert nun zur späten Stunde,

der Gäste Zahl im reichen Maße,
die begehrlich sie beschauen,
und selbst der Wanderer der Straße,
hält gebannt das Aug` im lauen,

Sommerabend still in sich bewegt,
und verborgen hinter dunklen Mauern,
in denen sich kein Lüftchen regt.
Und er empfindet mit Bedauern,

sie nur mit Blicken zu begehren,
und stiehlt sich still von dannen,
um dieses Bild in sich zu mehren.
Und die, die diese Traumbilder ersannen,

sie kunstvoll zu Papier gebracht,
mag niemand mehr aus sich verbannen,
nach einer traumerfüllten Nacht,
die noch selbst bei Tages Licht,

geprägt zu währendem Bestand,
verewigt wie ein Traumgedicht,
das einst gedieh aus Künstler Hand.

© Edith Maria Bürger


Zügellos

Verwegen dein Haar
einem Wildpferd gleich
galoppierend
die Mähne dem Ostwind entgegen.
Mit Südwind gepaarte
verführende Nacht
verspielt deinen Charme
an des Teufels Gespielin.
Verlockend die Träume
bizarr und verbrämt
der Abgrund dich ruft.
Gedenke
deiner zarten Nüstern
wenn Eiseswind
ungezügelt dich umfängt -
ab da mein Kind
gelingt dir: beten.

© Edith Maria Bürger



Seelenlandschaft

Raunt mir das Meer
doch süße Worte
verbindlich tief ins Herz
vertrauend meiner Seele.
In dunklen Schluchten
Wellen schlagend
lichtumwoben ihre Höhen
Niederungen schattig kühl
liegen offen dar.
Je näher ich dir bin
verspüre ich den Gleichklang
unserer Seelen
sensibel mich dein Rufen rührt
sodass die dunkle Blume
tief in mir
strahlend neu erblüht.

© Edith Maria Bürger



Gelebte Träume

Bunte Seifenblasen
schickten wir gen Himmel
so farbig wie einst
unsere Träume
dünnhäutig so wie wir.
Nur langsam wuchs
ein Pelz heran
zielstrebig darin
nur einen zu ergreifen.
Verwirklicht ist
manch gläsernes Gespinst
nahe der Grenze
des Zerberstens
lebendiger jedoch
wie nie zuvor.

© Edith Maria Bürger



Tiefenrausch

Versunken tief in mir
im Schleier der Gezeiten
lass ich mich tragen.
Aufschäumend die Wellen
die an Vergangenes rühren.
Doch kraftvoll auftauchend
dem Gestern entziehend
sagt das Heute "ja" in mir
und lässt die versunkene Stätte
für Augenblicke ruh'n.

© Edith Maria Bürger



Andacht

Durch das Licht
der Erinnerung
führt mich der Weg
zu einem Platz
an dem ich geträumt
gelacht als Kind
und fühle mich
umsorgt von Händen
die mir nahe standen.
Glücklich wissend
dass die Straße der Kindheit
nicht heimatlos ist.

© Edith Maria Bürger  






Geistesgut

Für N. Y. zu Ehren

Die Zeit des Dichters Seele lenkt.
Die Nacht zum Tage sich erhebt.
Was Herz und Geist nun überdenkt,
wird aus Fragmenten neu gewebt.

Die selbst gewählte Einsamkeit,
vermag das Wort zu heben und zu senken,
und formt mit innerster Zufriedenheit,
das poesiegeprägte Denken.

Das Geschehen dieser Nacht,
die Kraft der Schöpfung -
und nicht nur dies,
alles was du je erbracht,
dich unverkennbar werden ließ.

(C) Edith Maria Bürger



Leblosigkeit

Menschenleer die Straßen
leer die Augen
die des Tages Ende kaum erwarten.
Lidschwer die Nacht
die Hülle Mensch umfängt.
Ach, gäbe es
nur eine Stimme
die sanft ihn weckte
eine zarte Hand
die ihn liebkost
wären Tag und Nacht
ihm gleich.

© Edith Maria Bürger


Handlungsbedarf

Eine Hand, die dich ergreift,
dir hilft, dass deine Seele reift,
dich hält, in aller größter Not,
ist für sie wie ein Gebot.
Und selbst, wenn alle Zügel fallen,
begreifst du, dass in allem,
seine Hände unsichtbar,
dich halten werden,
immerdar.

© Edith Maria Bürger



Standpunkte

Ohne standesgemäßem Abstand
standest du mit gegenüber.
Wie sollte ich standhalten
deinem Blick?
Der mir mein Standbein entzog?
Und ich keinen Beistand
fand in mir selbst?
Hatte ich den Verstand verloren
im Zustand des Unerklärlichen?
Auf dem Prüfstand unserer
beider Blicke
dem Umstand klar werdend
dass diese Standlosigkeit
der Einstand unserer Liebe war
folgten wir ohne Aufstand
dem Gleichstand
und verloren unsere Standhaftigkeit
im Meer der Gefühle.

© Edith Maria Bürger



Haus des Friedens

Vermag der Frieden doch in uns
ein Schutzschild für uns selbst zu sein.
Wenn wir der Zweisamkeit uns beugen
in Harmonie uns üben
der Liebe Macht uns nicht entziehen.
Vermögen es nun diese Mauern
die wir selbst um uns errichten
und eine Tür geöffnet halten
um allem Leben Eintritt zu gewähren
ein filigranes Haus zu sein
denn das beschützend Dach
bauten wir uns selbst.

© Edith Maria Bürger



Das verworfene Wort

Aus den Himmeln
stürzt die Seele
und mein Ich.
Verworfen hat in meiner Kehle
sich das Wort für dich.

Befleckt den Traum
der auswärts träumt
auf einer Welle Schaum
der sich an Widerstände bäumt.

Im Innern nur die Liebe weiß
das Wort um das ich ringe
ach gäbe es die Seele preis
das Höchste aller Dinge

beflügelte das Wortgeflecht
in unser beider Seelen
mit allem Segen gottgerecht
befreit aus unseren Kehlen.

(C) Edith Maria Bürger



Ich liebe dich

Drei Worte nur
für Zwei bestimmt
drei Worte nur
so groß so tief
lautgestimmt getönt
wertlos werdend
außerhalb der Seele.
Lass uns im stillen
Winkel dem gedenken
was ohne unser Zutun
uns geschenkt
und flüstern
einem Windspiel gleich
sanft wie eine alte Weise
diese drei Worte nur
ganz lind und leise.

© Edith Maria Bürger


Schickt die Geschichte in den Schlaf...

Schickt die Geschichte in den Schlaf!
Sonst schließt sie nie die Augen zu!
Denn alles was die Zeit betraf,
käme endlich nun zur Ruh.

Im Todes - Schrecken der Epochen,
entkam kein Leben unversehrt.
Sie zogen blank bis auf die Knochen,
als wäre nichts mehr lebenswert.

Das Morden sollte niemals enden,
gleich welche Stellung sie bezogen.
Stets ließ man es dabei bewenden,
und niemand fühlte sich bewogen,

jäh dieses Tun zu unterbinden,
obgleich die Wesen im Verfallen.
Doch hieß es einen Weg zu finden,
heraus aus Kugel - Intervallen,

den Lebenslauf mit seinen Tücken,
in seiner Schwere, hart genug,
ihm mit Vernunft zu Leibe rücken,
und mit Geboten ohne Lug und Trug.

© Edith Maria Bürger



Hoffnungsschimmer

Eben lachte noch die Sonne,
eben noch das Herz.
Wohlgesonnen auch die Seele,
sie verscheuchte jeden Schmerz.
Nun spült Regen, tropfenweise,
diese kleine Hoffnung talwärts - leise -
in ein bodenloses Nichts.
Sieh, für Augenblicke nur,
zeichnen Farben einen Bogen,
groß und weit,
der zerronnen sanft entschwindet,
in die Unendlichkeit.

© Edith Maria Bürger



Entdecker ihrer Zeit

Gestern noch sah ich die Schiffe im Hafen,
beladen mit Gold und Gewürzen,
in einem Rahmen, goldumkränzt,
einer Hand voll Menschen, ausgemergelt,
verkrustete Seelen mit wettergegerbter Haut,
vom Salz zerrissenen Lippen,
leeren Augenhöhlen, zahnlos lächelnd.
Karg war wohl das Mahl an Bord,
die Ratten vom schimmelnden Brot gesättigt, blieben,
bis zur nächsten Fahrt, auf hölzernem Schiff,
zerfetzte Fahnen, vom Blut getränkt,
wehten in Schwermut trauernd,
um die Toten, die im Abendrot draußen begraben -
und unter geschwächtem Bug,
gezeitengetreu das wiegende Meer.
Jahr um Jahr-

Um jene Sagen und Mythen,
die sich ranken um Amphoren, Edelsteine
und muschelbesetzten Kadavern,
gilt es zu träumen, auf glattem Spiegel,
darunter die Wracks ihrer Zeit,
darüber lautlos schwimmend, der stählerne Koloss,
gefüllt mit Entdeckern der Neuzeit -
in Sicherheit wiegend.
Sonnengebräunt mit weingekühlten Kehlen,
das überladene Büffet stürmend,
die Jacketkronen das Gesicht überstrahlend,
ziehen sie über die Meere,
beladen mit Gold und Juwelen,
übersättigt vom Dunst der Zeit,
zu neuen Zielen,
in tabulose alte Zeiten,
denen irdischer Glanz anhaftet,
nie endend,
und für Augenblicke verliert sich die Gegenwart,
berührt das Vergessene,
und wohin sich die Blicke auch wenden,
der wandelbare Himmel, farbenreich verklärend,
sein Nachtgewand mit seidigem Zauber übersät...
und im Schleier der Gezeiten
das immer wogende Meer...

© Edith Maria Bürger



Wegbereiter

Nur Er wusste, wo du hinwächst,
mein Kind, nur Er allein.
Noch ungeboren zeichnete Er
deinen Weg, gab das Signal zum Gebären.
Bettete dich auf Heckenrosen,
die säumten deinen Pfad.
Rosig blühend jener Zeit voraus.
Und wir gaben dir die Sporen, ohne Härte.
Deine Freiheit stand nicht auf tönernen
Krügen, die du austrankst,
wenn dir danach war.
Und doch blieb der Nährboden unter dir,
humusreich, erntereich dein Nehmen
und Geben  an die, die dich gezeugt.
Mit deinen Händen schöpftest du Eigenes,
zu dem, was in dir wohnte.

© Edith Maria Bürger



Abgetaucht

Ein Fell wuchs mir
an einem überwinterten Tag
als ich kalt in dir war
entledigte ich mich des Wuchses
und meiner Gedanken.
Und du hauchtest
Blütenknospen
auf meine Haut
die offenporig entflammte.
Und die aufkommende Nacht
deckte zu
was wir uns offenbarten.

© Edith Maria Bürger



Himmels-Kapriolen

Der Himmel scheint heut` durchgedreht,
ist zickenhaft und sehr labil.
Die Wolkenbänke, abgeweht,
entladen sich immens stabil.

Der Abendlärm ist längst verstummt,
nur Regentropfen trommeln weit.
Wer sich jetzt wagt, der geht vermummt,
noch tapfer durch die Dunkelheit,

mit Hund, der seine Fährte kennt,
(er führt sein Herrchen an der Leine)
nimmt nun Reißaus und überrennt,
verschmähend seine Lieblingssteine.

Ein Schneegestöber bester Sorte,
das Dunkel schnell mit Weiß versieht.
Der Überraschte, hier vor Orte,
schnellstens in Geschütztes flieht.

Das Ganze hinter Glas betrachtet,
lach ich im Warmen unverhohlen,
im Bett, mit Buch, die Zeit missachtend,
pfeif ich auf Himmels-Kapriolen.

© Edith Maria Bürger


Der Mutter gleich getan

Ich wollt' es meiner Mutter gleich,
sie füllte Schalen überreich; mit Liebe.
Abgenabelt von der Zeit, gereift,
gewachsen, windgefeit;
wuchs ein Sehnen.
Mich einmal noch zu nähren,
im Felde reicher Ähren,
in gold'ner Schale reifen,
entbinden mich von starren Schleifen;
blieb mein Sehnen.
Meine Sehnsucht tief verborgen,
hoffend auf den lichten Morgen,
gebärend bald mit Lust,
hielt ich mein Kind an meiner Brust.

Ich tat es meiner Mutter gleich,
und füllte Schalen überreich; mit Liebe.

(C) Edith Maria Bürger


Heimatlicher Herbst

Kälteschwaden
ziehen über brache Schollen
Krähen krächzen
unverhohlen in den
ungeblümten Morgen.
Zaghaft noch
versuchen Sonnenstrahlen
das matte Grün
ein wenig zu polieren
doch der Schatten Spielgeduld
nimmt sich zurück
in tiefen Furchen
in denen sich der Sommer
still verlor.

© Edith Maria Bürger


Liebe spricht eine Sprache,
als wäre sie jenseits der Unendlichkeit,
die Schmerz und Glück vereint.

(C) Edith Maria Bürger



Ja...

In mir kein leeres Wort,
nur Silben erfüllt von Liebe,
paarig zueinander fließend.
Das " Ja" ohne Für und Wider,
ewiglich.

(C) Edith Maria Bürger



Lichtquelle

Freundschaft
ist wie ein Baum
der seine Äste ausstreckt
zum Licht
das ihm Atem verspricht
in Freude und Leid
umarmt
tröstend sein einzelnes Blatt
auf verletzte Wunden legt
und schweigend in sich
für dich dem Sturm beugt
denn seine Wurzeln
haften in dir
wie in mir.

(C) Edith Maria Bürger



Zweifellos

Du bist mir Güte
Freundlichkeit und Licht
brennst nicht im bohrenden Zweifel
weißt um uns.
Und in der Stille der Zeit
pulsiert es in uns
Herzschlag an Herzschlag
zerrinnen unsere Ängste
aus Vergangenem
ruhen unter dem samtnen Tuch
ewiger Liebe.

(C) Edith Maria Bürger



Das Lied der Glücklichen

Das kleine Lied
ist längst verklungen
und dennoch
schwingt es leicht in mir.
In Kindertagen selbst gesungen
bring ich es heute nun zu dir.
Das Leuchten deiner Augen sagt
dass es dir gut gefällt
das Singen meiner Seele sagt
dass es uns beiderseits erhellt.
Holt Kindertage schwerelos zurück
und trägt nun bei zu neuem Glück.

© Edith Maria Bürger



Frühlingstraum

Verträumt ich aus dem Fenster schau,
der Himmel heut in hellem Blau,
die Luft erfüllt von leisem Schwirren,
die ersten Bienen sich verirren.
Im Apfelbaum, dem kahlen,
erwachen von den Sonnenstrahlen,
die jungen zarten Knospen
und recken sich empor,
kleine Blumenelfen summen hell,
im Hintergrund als Chor.
Es öffnet sich ein Meer von Blüten,
in wundersamer Farbenpracht,
nun gilt es jetzt sie zu behüten,
mit meinen Händen zart und sacht.

Von diesem leisen Singen
Und diesem süßen Duft,
erfüllt sich zaghaft nun
die milde Frühlingsluft.
Versonnen ich am Fenster stehe,
noch lange, lange Zeit,
den kleinen Apfelbaum dort sehe,
er leuchtet weit und breit.

So wie er vorm Hause stand,
im herrlich blühenden Gewand,
ja dieser, unser Apfelbaum-
er ist im nächsten Jahr-
leider nur ein Frühlingstraum.

© Edith Maria Bürger


Aus anderer Sicht

Gestern ging ich hinüber
zum Scheitelpunkt meiner Seele.
Da ich auf der Seite des Dunklen trieb,
fing er mich auf mit gläsernen
Flügeln, und ich sah Verlassenes
mit anderen Augen.
Dieses Hinübergleiten war voller
irrlichtiger Farben, die blieben,
als mich ein Schlummer gefangen
nahm, doch im Erwachen
dem Entfernten nah waren,
und in mir den Wunsch
versagten, noch einmal zu gehen
in eine Welt, die nicht die meine war,
glühend vor Scham.  

© Edith Maria Bürger  




Losgelöst

Der Wind schlug Purzelbäume
paarte federnde Gräser
zum Tanz
umarmte Bäume
zärtlich raunend
trug spielend meine
geduckte Seele
über die Mühsal
vergangener Stunden
und hauchte mich lind
ins zeitlose Vergessen.

© Edith Maria Bürger



Heimweh

Wenn die Ähren spät sich neigen
dem Unsichtbaren
dankbar zeigen
der Sonne reifes Abendlicht
sich zauberhaft
in Zweigen bricht
erhebt sich aus
der Seelen Grund
ein Jammertal
das blutend wund
nach Heimweh zehrt
das stets verwehrt
nach der Kindheit
großem Glück
das Gute still begreifend
kehrt niemals
mehr zurück.

© Edith Maria Bürger




Jene Melodie

Immer wieder möchte
ich sie hören,
jene Melodie
die mich trägt
in paradiesische Sphären.
Nicht in Flüchtigkeit zerronnen
haftend in mir
wie der Spinne
eingewebtes Mahl.
Sie zu kosten
wenn ich Hunger verspüre
nach deinem Leib
nach deinem Duft
der uns auf Seidenblumen-
blättern trägt
in unsere Sehnsucht.

© Edith Maria Bürger


Apokalypse
Tsunami Dez. 2004
Japan März 2011

Aus der Stille
kam die Offenbarung,
mit aller Macht.
Es folgten Schattenschritte
dem gefräßigen Verhängnis,
das dir dein Liebstes nahm,
doch dich in Wirrnissen verlor.

Blutwund die Stunde,
in der du mit dem Himmel brachst,
wieder und wieder.

Nichts singt nunmehr
deine Kehle hinauf.
In innerer Abkehr
haftet dein erloschener Blick
auf sanfter Welle,
frierend,
im Jenseits von Eden.

(C) Edith Maria Bürger



Gezeiten

Tränen
Salz der Seele
Tausende auf Grund geweint
ausgehöhlt von tosenden
Wogen des Leids
ausgezehrt von glühendem
Schmerz verlorener Leben
klaffende Wunden
nähren sich im Abgrund
vernarben im Dunkel.
Oh, blutgetränkte weiße Rose
wann benetzt der junge Tau
die ausgedörrten Seelen
und taucht sie im Quell der Freude
zu neuem Leben?

(C) Edith Maria Bürger



Töne des Verlangens

Pan
spielte sie schon
die Töne des Verlangens
der Melancholie
der Sehnsucht
seicht unter die Haut.
Musiziere
mein Hirte
die wogenden  Gräser
stören mit keinem Laut.

© Edith Maria Bürger



Angekommen

Verworren gab die Stimme dir ein Zeichen,
lodernd kroch das Blut dir ins Gehirn,
und stellte deine neuen Lebensweichen,
aus einem unzerstörbar festen Zwirn.

Nichts ließ dich an alten Orten halten,
brachst alle Dämme hinter dir entzwei,
der Seelenfraß kam jetzt zum alten
Gerümpel in dem Alltagseinerlei.

Die Grenzen, die dir einst verboten,
überschrittest du mit bitterem Hohn,
du heultest nicht mit den Kojoten,
wie eine Mutter nach verlorenem Sohn.

Das Nichts in dir war plötzlich Insel,
die von niemandem beschnitten,
dein Wille kein erbärmliches Gewinsel:
Gezähmtes Wild, das zäh beritten.

Der Niedergang im Ab und Auf,
der Müll der Hinterlassenschaft,
erwog den strengen Tageslauf,
mit deiner neuen Schaffenskraft,
und rief dir zu: „ Steh ruhig auf!“

(C) Edith Maria Bürger



Liebende Herzen

Ich möchte dem Atem lauschen,
der in der reifen Erde wohnt,
dem himmlischsten Rauschen,
das mich redlich belohnt,

mit Farben, im herrlichen Blühen,
wie dein Gesicht, das zart übergossen,
mit rosigem Hauch von sonnigem Glühen,
und Lidern, die sanft geschlossen.

Ich möchte deinem Atem lauschen,
der tief in deinem Innern wohnt,
dem zärtlichsten Seelenrauschen,
das uns beide belohnt,

mit Spüren, im Wachsen und Blühen,
mit Liebe im Herzen innigst verwoben,
mit zärtlichstem Hauch von sonnigem Glühen,
dass wir uns für immer geloben:

Wir möchten unserem Atem lauschen,
der ewig in uns wohnt,
bis zum Ende im seligen Rauschen,
das liebende Herzen für immer belohnt.

(C) Edith Maria Bürger




Stille der Stunde

Stimm mir die Saiten meiner Seele,
noch in der Stille dieser Stunde.
Ich höre dich und ich verhehle,
nicht deine Worte aus dem Munde,

der Silben nun zu Taten macht,
und öffne meine Arme weit,
empfange dich noch diese Nacht,
die voller, reiner Zärtlichkeit.

Und wenn der leise Morgenton,
uns selig sterben lassen will,
erhebt sich aus der Liebe Thron,
der Lebenswille in uns still,

der uns in Demut knien lässt,
mit der wir nun das Leben teilen,
wir halten Hand in Hand uns fest,
und lassen Herz an Herz verweilen.

(C) Edith Maria Bürger


Unerreichbar

Meer
Freiheit lebst du mir vor
menschengleich dein Bild
klar und rein dein Gesicht
abgründig tief
dunkel die Seele.
Der Sprache mächtig
aufbrausend
sanftmütig säuselnd.
Schlüpfte ich in dein Gewand
könnte ich dir nie
das Wasser reichen.

© Edith Maria Bürger



Heimatort

Im Traume hörte ich ein Weinen,
ein Wimmern in der dunklen Nacht,
sah ein Gesicht, gleich dem Deinen,
mit strengen Zügen, leidentfacht.

Ich hielt dir meine Hand entgegen,
ein Ergreifen fiel dir schwer,
du schienst hinweg zu schweben,
im Fallen mehr und mehr.

Doch unsere Seelen tief verbunden,
riefen dich zurück,
erinnernd an die schönsten Stunden,
die einst so voller Glück.

Unsere Hände sanft sich fanden,
ich spürte ins geheim,
bald wird dein Heimweh tief versanden,
und du zu Hause sein.

Dein Kommen werde ich versüßen,
umarmen dich ganz still,
mit schönsten Blumen dich begrüßen,
gesund und munter, so Gott will.

Mein Kind,
nicht Kind mehr ist,
doch du in meinem Herzen,
ein Kind geblieben ist.

© Edith Maria Bürger


Dem Meer verbunden

Von tausend Nächten heimgekehrt,
und bittersüßen Nächten,
nun selig schwebend unbeschwert,
auf der Straße der Gerechten.

Die nie in hundert Himmeln lebten,
die blieben an des Mutters Schoß,
die nur die Träume webten,
deren Grenzen uferlos.

Wie gern wär`n sie gegangen,
doch hielt sie fest der eigene Herd,
sie hielten sich selbst gefangen,
und fanden es erstrebenswert.

Sie können nie ermessen,
was es heißt zu gehen,
doch du hast nie vergessen,
wo deine Wurzeln stehen.

© Edith Maria Bürger



Heimatlicher Herbst

Kälteschwaden
ziehen über brache Schollen
Krähen krächzen
unverhohlen in den
ungeblümten Morgen.
Zaghaft noch
versuchen Sonnenstrahlen
das matte Grün
ein wenig zu polieren
doch der Schatten Spielgeduld
nimmt sich zurück
in tiefen Furchen
in denen sich der Sommer
still verlor.

© Edith Maria Bürger



Wenn dein Herbst kommt...

Jung und dynamisch warst du.
Du setztest dir Ziele, die du auch erreichen konntest.
Und die Liebe, die du suchtest, ihr warst du begegnet.
Nicht laut, nicht stürmisch und in der ersten Zeit nur auf rosa Wolken schwebend. Nein, still und leise kam sie daher.
Sie wuchs langsam. Sie öffnete sich dir, wie die ersten Knospen im Frühling.
Und nicht nur du, schöpftest Kraft aus diesem dir gereichten Blütenkelch.
Ihn zu hegen und zu pflegen, war dir eine Lust und mit Freude und Wonne, hattest du die Tage, die Jahre, still genossen.
Mit ebenso viel Liebe bautest du für deine Familie ein Haus aus Stein.
Ein Schutzwall vor der grauen Welt sollte es sein, der du dich zwar nicht ganz verschließen konntest, aber hinter dir fiel eine Tür in' s Schloss und in deinem kleinen Reich, herrschte für dich und euch, Ruhe und Frieden. In deinem Grund und Boden setztest du so manchen Wurzelballen, denen du in jedem Frühling andächtig gegenüber standest, wenn auch nach einem noch so strengen Winter, sich das erste zaghafte Grün andeutete. Dankbar, zeigten sich die Rosen in deinem Garten, die nach jedem Ausschneiden der wilden Triebe, ihre vollkommene Blütenpracht bis in den Spätherbst erhielten.

Nun ist es wieder Herbst.
Und du sitzt mit deiner Liebe auf der kleinen, weißen Bank unter der Hängebirke. Still, die Hände ineinander haltend, schaut ihr der Abendsonne zu, wie sie langsam am Horizont versinkt.
Die Jahresringe , der gegenüber stehenden Eiche, vermögt ihr nicht mehr zu zählen. Die Zeit, ist auch an euch nicht spurlos vorüber gegangen.
In euren Gesichtern spiegelt sich ebenso der späte Herbst, wie ihn die Natur gegeben hat. Nur, dass ihr nicht neu erblüht.
Dennoch seht ihr euch lächelnd an.
Und der zaghafte Händedruck verbindet euch, bis in irgendeinem Herbst, auch eure letzten Blätter fallen.

© Edith Maria Bürger



Hoffnungsschimmer

Eben lachte noch die Sonne,
eben noch das Herz.
Wohlgesonnen auch die Seele,
sie verscheuchte jeden Schmerz.
Nun spült Regen tropfenweise,
diese kleine Hoffnung
talwärts - leise,
in ein bodenloses Nichts.
Sieh für Augenblicke nur,
zeichnen Farben einen Bogen,
groß und weit,
der zerronnen sanft entschwindet,
in die Unendlichkeit.

(C) Edith Maria Bürger



Gebet für mein Kind

Mein Kind,
lass ruhig sein,
schlafe selig,
schlafe ein.
Lass in Träumen
dich umarmen,
streichelnd deine
Hand umgarnen,
sanft ummanteln
deine Glieder,
bis der helle Morgen wieder,
nur Liebe dir erbringt,
die nie in Traurigkeit versinkt,
dass dein Leben lange währt,
und dir nur Gutes widerfährt.
Mein Kind,
lass ruhig sein,
schlafe selig,
schlafe ein.

(C) Edith Maria Bürger



Wir wissen...

Nimmst du dem Meer das Salz –
Weißt du was kommt?
Nimmst du dem Baum das Blatt –
Weißt du was kommt?
Nimmst du dem Tier das Fell –
Weißt du was kommt?
Nimmst du dem Vogel den Bau –
Weißt du was kommt?
Nimmst du den Menschen das Salz –
Weißt du was kommt...
Und die Blätter zum Atmen der Zeit,
das Fell, das den Tieren wuchs,
im Zeichen der Zeit.
Und nimmst du das Dach zum Behüten,
zum Wachsen und Werden,
weißt du,
dass Frieden im Sande verläuft...

Wir wissen, was kommt,
doch wissen wir nicht,
was wir tun.

© Edith Maria Bürger



Königin der Nacht

Die Knospe des Guten
erblühet rosig in lauer Nacht
in Ungeduld erwartet.
Einmal nur zeigt sie
ihr königliches Gewand
in vormals
nie gesehener Pracht
und bettet sich ein
tief in meine Seele
aus nächtlicher Erinnerung
immerfort;
wie du
meine erste Liebe.

(C) Edith Maria Bürger



Verbündet

Wenn auch graue Wolken
über mir ziehen
bin ich in Gedanken
die in den Himmel wachsen
bei dir.
Die Größe und Stärke
die uns bindet
atmet Farben
nicht nur einen Sommer.
Die Kraft
die uns kettet
mit Sternenstaub der Nacht
geht uns voran
bereitet mit seinem Licht
unseren Weg
heute und morgen;
in ewiger Liebe.

(C) Edith Maria Bürger


Sündenfall

Schlangengleich und neckend
ich dir den Apfel reiche
süß und reif
nimmst du die Frucht entgegen.
Lustvoll
deinen Atem trinkend
dem Himmel
Tür und Tor geöffnet
trittst du ein -
und die Suche
nach dem Paradies
nimmt ein Ende.

© Edith Maria Bürger


Gezeichnet

Er wusste von ihr, dass sie ging,
irgendwann,
den Zeitpunkt nicht selbst bestimmend,
und ein Engel sein würde,
in all seinen Tugenden rein.
Er zeigte ihr noch einmal
den Pfad ihrer Liebe,
die Allee ihrer Träume,
den Quell ihrer Hoffnungen,
der nie zu versiegen schien,
und das kleine Nest,
in dem neues Leben gedieh, so zart,
und bald schon reif zu fliegen.
Und er wusste von ihr,
dass sie wehmütig fragend
in die Weite des Himmels blickte:
Was nützen mir die weißen Flügel,
wenn ich den Wind
nicht mehr spür?...

© Edith Maria Bürger



Geben und nehmen


Frag nicht, ob wir leben werden,
und ob es ein Erinnern gibt,
wir sind im Paradies auf Erden,
und haben uns erneut verliebt.

Der alte Kampf, der uns entzweit,
das Ich und Du zu wenden,
er ist zum Wir nun heut bereit,
und blüht an allen Enden.

Drum frag nicht, ob wir leben werden,
wir sind wie nie zuvor verliebt,
es ist der Glanz auf unseren Erden,
dass diese Liebe nimmt und gibt.

© Edith Maria Bürger


Die nie der Liebe sich gebeugt...

Die nie der Liebe sich gebeugt,
sie wissen nichts von dem Versäumten.
Mit sehnsuchtsvollem Blick beäugt,
verfolgten sie die still Verträumten,

die nah an seichten Ufern schritten,
als gingen sie für sich allein,
da half kein innerliches Bitten,
es sollte wohl für sie so sein.

Im Alter nun der Blick zurück,
begehren sie das andere Geschlecht,
erhoffen sich ein erstes Glück,
und werden ihm vielleicht gerecht.

Doch zwischen diesem Ich und Du,
Gemeinsames heraus zu finden,
das sind zwei so verschiedene Schuh`,
die sich im Egoismus winden.

Ob dann im spät erfüllten Sehnen,
zwei Seelen sich trotzdem gewinnen,
entmachtet Zweifler und sagt denen,
sich des Alleinseins zu besinnen.

© Edith Maria Bürger


Im Himmel der Liebe
(Für Papa)

Leise schließt die Nacht den lauten Tag,
umhüllt die Stille wie die Ewigkeit,
von fern erklingt ein Glockenschlag,
der uns erinnert an die Zeit,

als wir im holden Maientraum,
uns kosten mit vertrautem Munde,
und in des Abends kühlem Saum,
vermählten uns zur späten Stunde.

Wo einst die Stille war wie Ewigkeit,
die Seelen paarte mit vertrauten Händen,
war unser Himmel groß und weit;
er ist, und wird sich niemals wenden.

(C) Edith Maria Bürger



Der Worte nicht genug...

Es fielen der Worte nicht genug
damals
beim Abschied.
Im flehenden Singen
des Feuervogels
brach unsere Stimme.
Wir horchten uns
zueinander.
Die Feuer dunkelten
in uns.
Als wir gingen
blieb
sein bittendes Lied
zurück
im wilden Jasmin.

(C) Edith Maria Bürger



Selbstfindung

Die Zeit deckt Leben zu mit einem Mantel,
der gelöchert von Erinnerung.
Zu stopfen ihn mit Seidenraupenfäden,
verschönern für den Augenblick,
war nicht im Sinn des Steins der Weisen,
der nur Symbol und einst ein Fels dir war,
der schwerlich zu bewegen.
Erst als er ins Rollen kam,
die Ecken rundete auf deinem Weg,
Schlagloch auf Schlagloch
auf deinen Mantel traf,
erst da begann das Weise,
das dich nicht steinerweichend
weinen ließ.

© Edith Maria Bürger


Des Wortes Macht

Einst ward uns Leben eingehaucht,
sehr zart -
Ein Wunder der Natur.
Und Tiergestalten jeder Art,
in bunter Vielfalt pur.

Doch der Sprache Form,
Das Wort -
ward zugeteilt dem Menschen nur.
Lernen mussten wir vor Ort,
umzugehen mit dem Wort.

Das süße Wort der Liebe,
kann sein wie ein Gedicht,
doch ist dein Herz nicht ganz dabei,
verliert es an Gewicht.

Das spitze Wort des Hasses,
trifft mitten dich in' s Herz,
wie eine große Wunde,
empfindest du den Schmerz.

Das böse Wort der Lüge
und der Verlogenheit,
erfüllt dich herb mit Bitterkeit.
Doch mit Worten wärest du bereit,
dass man diese dir verzeiht.

Das bittere Wort des Todes,
dein Herz so schmerzlich starr erfüllt,
da hilft das Wort des Trostes,
das dein großes Leid,
wie ein samtnes Tuch einhüllt.

Und stehst du eines Tages,
auf der Schwelle zur anderen Welt,
dann ist es Gottes Wort,
das deinen Blick dorthin erhellt.

Das hoffnungsvolle Wort des Friedens,
für alle Völker dieser Welt,
wird immer nur versprochen,
bis das Beil des Krieges fällt.
Und dieses Wort
vom Völkermord,
verfolgt uns täglich
immerfort.

Ein Wort des Friedens,
ausgesprochen,
ach, wär' es doch an manchem Ort,
nicht nur ein Wort,
dann wäre heut' vielleicht der Krieg
nur noch ein Wort.

So manches Wort zerbricht wie Glas,
wenn wir es führ` n auf Messers Schneiden,
und vieles wär` nicht eine Farce,
wenn wir es würden meiden.

Wir sprechen viele Worte aus,
ob laut, ob leise, oder sacht,
wie wir sie auch dreh' n und wenden,
verlier` n sie nie an Macht.

© Edith Maria Bürger



Gastgeschenke

Oh, Welt...!
Du unvergleichliche Schöpfung!
Du wechselst Dein Gewand in wundersamer Weise
im unermüdlichen Kreislauf —
Erhellst unsere Sinne —
für das Schöne —
eben neu Geborene —
Lässt es erblühen, wachsen und gedeihen,
für unser aller Kraft.
Du —
der Quell aller Hoffnungen,
beschenkst uns so reich.
Oh, wie gütig und großzügig Du bist !
Haben wir das verdient?
Wo wir doch nur Gast sein dürfen?
Du zeigst uns aber auch Deine Stärke, mit Urgewalten...
Deine Antwort —
auf unsere Undankbarkeit?

(C) Edith Maria Bürger



Mit einem Lächeln

Lass dich in meinem Lächeln fallen,
es gibt uns beiden doch so viel.
Es hält uns fest und trägt in allem,
uns federleicht zum höchsten Ziel.

© Edith Maria Bürger



Schlage die Trommel...

Schlage die Trommel!
Gib dem Mund die Sporen,
dass sie forttragen, die Saat,
die Unausgesprochene,
die nicht in Verschwiegenheit
verfällt, schneemüde dahintreibt,
ins Uferlose, nie ankommend.
Doch das Benannte,
als Ankommende unterwegs,
das in dir in Wehmut
getragene Wort,
das du dieses Unausgesprochene,
nun Geschriebene, hörbar, fühlbar,
gewagt hast zu verbreiten,
zur Verständigung - lebt.

Schlage die Trommel,
fürs Verschwiegene,
fürs Unwiederbringbare,
für das verdichtete Wort...

© Edith Maria Bürger



Stillgelegt

Da war noch das Kind
das lachte und sang
nicht lange –
da schwieg es geschwind
im Herzen ganz bang.

Gefügt in Bewegung
mit hartem Ton
gebeugt von Vergebung
erntet es Hohn.

Schweigend im Hort
wehrlos entblößt
kein Mensch vor Ort
der die Zügel löst.

Sein Augenpaar schreiend
will niemanden sehen –
still weint es befreiend –
wird nie sein gebrochenes
Rückgrat verstehen.

© Edith Maria Bürger



Auf dem Ast des Verderbens

Nichts ist von Stille hier umgeben,
Laut um Laut im Gleichgewicht,
kein Lächeln steht im Widerstreben,
von Angesicht zu Angesicht.

Das Wort, es fliegt von Mund zu Mund,
im Widerhall der Laubenhecke,
die Lippen geben Buntes kund,
und Trauriges bleibt auf der Strecke.

Und oben auf dem Ast, der braunt,
(er war im Frühjahr schon veraltet)
sitzt eine Amsel, frohgelaunt,
die frisch ihr Solo selbst verwaltet.

Aus dem Gesang, entsteht ein Wispern,
der Ast entzweit sich ohne Halt,
im Gebälk beginnt`s zu knistern,
das auf die Ahnungslosen knallt.

Drum merke, wenn du gut gelaunt,
im Freien sitzt, dann schau nach droben,
mit der Gewissheit, unerstaunt,
nicht alles Gute kommt von oben.

© Edith Maria Bürger



Liebende

Zwei weiße Segel
im tiefblauen Meer
auf tönenden Wellen
sich wiegen
verschmelzend
wie Liebende eins.

Im Weben des Windes
wölbend die Wolken
entschwebend
wie Liebende eins.

Im Windschatten
schützend umschlungen
trunken auf Wogen
des Glücks
nehmend und gebend
sich findend
Liebende
bodenlos eins.

© Edith Maria Bürger  



Reiseziele

Deine Reise ist noch
nicht zu Ende.
Du wirst noch reiche
bunte Wiesen blühen sehen
und Früchten der Zeit
deine Beachtung schenken.
Doch spürst du mit
wachsendem Weben
dass die Blätter des Herbstes
farblos dahin wehen
und Bäche im Wiesenrain
im sprudelnden Klang
in sich gehen
als vernähmen sie den neuen
Zufluss himmlischer Tränen
der die gestauten Kiesel auftürmt
zu einem neuen Haus
das im Grund
von Frieden erfüllt ist.

© Edith Maria Bürger  


Farben des Sommers

Leiser Wind umspielt das Brot des Sommers
prall gefüllt winkt es zur Ernte
sanft wiegen Blütenköpfe sich
trunken dem Sonnenlicht entgegen
die letzte Wärme ahnend
sinken sie bald seufzend nieder
hoffend auf uns
dieses Bildnis zu bewahren
wärmend im Herzen
vielleicht mahnend auch
zeigen sie
wenn graue Nebel über kühle Erde streifen
wird Dunkelheit nicht gleich zur Nacht.

© Edith Maria Bürger


Aufbruch II

Die Nacht entzieht sich sacht der Stille.
Vereinzelt blinken Sterne auf
Morsezeichen gebend für den Tag.
Lidschwer sein Öffnen.
Noch ist er unbetreten.
Den Lüften aber entlockt es ein Schwirren.
Häuseraugen zeigen sich öffentlich
lichtmatt schwächelnd im frühen Grau.
Schon bald bestimmen besohlte Füße
den Takt auf Stufen und Straßen.
Und die Stundenzeiger eilen ihnen voraus
das Lichtmeer zu öffnen.

© Edith Maria Bürger


Das Wahre in uns...

Eines Tages wird unsere Zeit um sein,
vom Leben, Lieben,
und geliebt zu werden,und unter dem
kleinsten Hügel finden wir Ruh.
Wurzeln werden uns greifen,
kalt, erdig verbunden.
Eines Tages wird unsere Zeit um sein,
den Wurzeln beschnitten,
strahlt nur noch das
warmherzige Rot der Blüten,
vielleicht, das der Rose,
die du so liebtest,
vielleicht erinnert sich der,
der dich liebte
und weckt sich selbst
im Farbenspiel der Erinnerung:
Leben, lieben, geliebt zu werden,
und spürt,
das Wahre ist noch nicht erfroren.

(C) Edith Maria Bürger



Melancholie

Das im Abendwind Geweinte
sog die Nacht behutsam auf
ließ aus deiner Tränen Last
Kristalle pur zurück
die im Morgenglühen
dir die Schwere
deiner Lider nahm
dein Augenlicht
im Seelenglanze tauchte
vergessend welches Lied
das voller Schwermut
auf der Balalaika klang.

© Edith Maria Bürger


Gebet an die Hoffnung

Sehnsuchtsvoll Gedanken fliegen,
über Wiesen, weite Felder,
stimulieren mich und siegen,
über Tiefen dunkler Wälder,

suchen in der Seelenhülle,
noch ein flackernd helles Licht,
dass sich ein hoher Traum erfülle,
und nicht wie Scheiterhaufen bricht.

Oh, lass mich fliegen in Gedanken,
weit über mich hinaus,
bring den Funken nicht ins Wanken,
er ist mir Herz und Haus,

das gemauert ist in Festen,
und Seelenkriege übersteht,
und nicht in Ruinenresten,
vom Wind verweht,
verweht...

(c) Edith Maria Bürger


Hinter dem Glück

Dort, wo sie Orte bauten,
hinter dem Glück,
sehe ich nur Schatten.
Augen, trauerumflort,
lichtschwer verborgen.
Winkel, die nie die Himmelsbläue
ahnen, verklärte Abende,
ohne lebhaftem Gesicht.
Gemeinschaftslos
streunen sie in Abgelegtem
um Verwertbares.
Abgesondert,
nur Raum suchend
um sich selbst
und schutzlos vor dem Schatten,
geben sie sich ohne zutun
schonungslos preis.

© Edith Maria Bürger





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